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Aufräumen mit Marie Kondo

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Marie Kondo ist die Ikone des Aufräumens und derzeit in aller Munde. Wer sich mit dem Thema Minimalismus bzw. Reduzierung von Besitz auseinandersetzt, kommt an ihr eigentlich nicht vorbei. Grund genug, euch ihr Buch „The Life-Changing Magic of Tidying“ sowie ihre Praxisbuch „Spark Joy“ näher vorzustellen. Für den Fall, dass ihr es nicht ganz so detailliert möchtet, springt gerne gleich zu meinem Fazit am Ende meines Artikels.

Aufräumtechnisch macht mir so schnell eigentlich niemand was vor. Schon als Kind habe ich supergerne mein Zimmer aufgeräumt und sogar regelmäßig meinem Bruder dabei geholfen, Ordnung in sein Spielzeug zu bringen oder gar alte Versandkataloge meiner Eltern aussortiert, wann immer ich durfte. Doch als in dem Minimalistenforum, in dem ich Mitglied bin (damals noch ein separater Thread bei Kleiderkreisel) so viele anfingen, von Marie Kondo zu schwärmen, musste ich mir das Buch doch mal anschauen. Ich habe es, das muss ich zu meiner Schande gestehen, nicht ausgeliehen, sondern gekauft, da ich es unbedingt in der Originalsprache lesen wollte, wobei es ein Weilchen gedauert hat, bis ich dann auch mal kapiert hatte, dass das Buch zuerst auf Japanisch erschienen ist und nicht in englischer Sprache verfasst wurde. Aber da hatte ich es eh schon auf Englisch bestellt und war mit dieser Wahl auch sehr zufrieden. Für mich klingen Ratgeber auf deutsch irgendwie immer besonders altbacken.

Auch wenn schon der Titel keine minimalistischen Schwerpunkte verspricht, hatte ich Minimalismus aufgrund verschiedener Rezensionen als integralen Bestandteil erwartet. Dies trifft allerdings nur eingeschränkt zu. Hauptsächlich (es gibt Ausnahmen!) befasst sich das Buch nicht schwerpunktmäßig mit dem Nutzen von Gegenständen („Brauche ich wirklich 150 Paar Schuhe?“), sondern stellt die persönliche Beziehung zu diesen in den Mittelpunkt: „Bereitet mir Teil xy Freude oder nicht?“ Wenn von den 150 Schuhe im Schuhschrank 99 positive Gefühle („Spark Joy“) hervorrufen, dürfen diese entsprechend der Logik von Marie Kondo auch bleiben. Positive Gefühle legt die Autorin der Praxis halber weiter aus, damit auch aktuelle Steuerratgeber oder Tesafilm, die nicht unbedingt dazu prädestiniert sind, stärkere positive Emotionen hervorzurufen, jedoch sehr nutzlich seien können und das Leben vereinfachen, erfasst werden können.

Ziel ist es für sie also nicht, am Ende einen reduzierten Capsule Wardrobe erschaffen zu haben, sondern nur noch von Dingen umgeben zu sein, die einen beglücken. Gleichzeitig soll beim Ausmisten Ordnung geschaffen werden. Auch wenn die positive Grundeinstellung zur (gut sortierten!) Schuhsammlung Gegenteiliges vermuten lassen würde, vertritt Kondo durchaus die These, dass die meisten Menschen, gemessen daran, was sie wirklich glücklich macht, zu viel besitzen. So legt sie ihren Klient*innen bzw. Leser*innen auch erst einmal nahe, vor dem Aufräumen gründlich auszusortieren, wobei sie im Buch leider konstant dazu rät, die Dinge, die nicht bleiben dürfen, wegzuwerfen. Sicherlich wäre es hier ratsam, alternative Ansätze zu wählen, gerade weil sie Dingen ohnehin einen hohen Stellenwert einräumt und diese geradezu personifiziert. Vor diesem Hintergrund wäre es nur konsequent, materiellen Gütern Achtsamkeit zu schenken, indem auf eine mögliche Weiternutzung hingewiesen wird, die ja auch viel ressourcenschonender wäre. Allerdings scheint Kondo hier einen eher individualistischen und für sie pragmatischen Ansatz zu verfolgen: Aus den Augen, aus dem Sinn – je schneller die Dinge aus dem Haus kommen, desto besser.

Beim Aussortieren selbst geht Kondo sehr strukturiert vor, nämlich nach den Kategorien Kleidung, Bücher, Dokumente, Sonstiges sowie Erinnerungsstücke und zwar genau in dieser Reihenfolge, da sie die Meinung vertritt, dass es leichter sei, sich von Kleidung als von Erinnerungsstücken zu trennen. Wesentlicher Bestandteil der KonMari-Methode ist es, alle Güter einer Kategorie an einem Ort zu versammeln und diese dann auf einmal auf ihre Fähigkeit, Freude zu versprühen zu „testen“. Laut Marie Kondo ist das Chaos bei vielen Menschen der Tatsache geschuldet, dass sie sich beim Aufräumen immer einem bestimmten Ort widmen, dabei aber beispielsweise vergessen, dass im Keller, auf dem Dachboden oder aber im Flur noch weitere sieben Winterjacken hängen, die sie weder alle brauchen noch mögen. Gleichzeitig empfiehlt Kondo, sich lieber wenige Tage und an einem Stück dem Aufräumen zu widmen als jeden Donnerstagnachmittag eine Schublade aufzuräumen. Wer so vorgehe, werde nie fertig und schaffe auch kein passendes System, das jedoch zentral sei, um Unordnung dauerhaft zu vermeiden: Nur, wenn jedes einzelne Teil einen festen Platz in der Wohnung habe, sei es möglich, die Wohnung dauerhaft von Chaos zu befreien.

Dazu bietet sie insbesondere in ihrem zweiten Buch, das sie seltsamerweise erst für Menschen, die das erste Buch komplett durchgearbeitet haben (also bereits Ordnung mit der KonMari-Methode geschaffen haben), empfiehlt, gute Praxistipps, sei es zum effizienten Falten und Lagern von Kleidung oder dem Sortieren des Badezimmerschranks. Wer das zweite Buch also überhaupt kaufen möchte (die Methode lässt sich auch allein mit dem ersten gut begreifen), sollte es meines Erachtens parallel oder unmittelbar nach dem ersten lesen, um die Erkenntnisse dann gleich verarbeiten zu können.

Mein Fazit:

Marie Kondos Bücher waren für mich durchaus inspirierend. Ihre Methode, nach Kategorie und in einem Rutsch aufzuräumen, entspricht meiner sonstigen Aufräumpraxis, sodass hier nicht mehr so viel Neues für mich dabei war. Die ein oder andere Idee, etwa zu Faltmethoden von Socken oder der Lagerung von T-Shirts habe ich jedoch mitgenommen. Auch manche Zitate bzw. Konzepte sind mir durchaus positiv im Gedächtnis geblieben. So etwa „Sometime means never“ bzw. „Sometime never comes“, wenn es darum geht, dass Dinge, die bisher nicht verwendet wurden, oft nur aufbewahrt werden, weil sie irgendwann vielleicht doch gelesen, getragen oder gebraucht werden könnten.
Auch die Frage „Am I having trouble getting rid of this because of an attachment to the past or because of fear for the future?“ finde ich durchaus wichtig. Wir müssen uns klar machen, dass Erinnerungen im Kopf und nicht in der verstaubten Kiste auf dem muffig-feuchten Dachboden gespeichert sind. Als Foodbloggerin musste ich auch ganz besonders über ihren Vergleich von Küchengadgets mit Kinderspielzeug schmunzeln: Am Anfang sei alles ganz toll und aufregend, aber nach kurzer Zeit verliere es seinen Reiz. Da ist zumindest für mich definitiv etwas dran, weshalb ich mich in den letzten Jahren von einigem getrennt habe. Wäre es nicht schon weg, hätte ich es spätestens nach der Lektüre aussortiert.

Weniger gut gefallen hat mir der unnachhaltige Ansatz, aussortierte Besitztümer einfach wegzuwerfen. Hier möchte ich definitv an Möglichkeiten wie Verkaufen, Verschenken bzw. Spenden erinnern. Auch ihr System erscheint, wie an zahlreichen von ihr angeführten Anekdoten deutlich wird, stellenweise willkürlicher als sie zugibt. Über spirituelle und sehr unpraktische Ansätze habe ich hinweg gelesen. Als Minimalistin habe ich beispielsweise ohnehin nur eine Tasche, die ich im Alltag verwende, sodass ich gar nicht einsehe, diese täglich auszuräumen. Auch das meditative Falten für Kleidung wird für mich wohl nie zum Hobby werden, aber das ist okay, Ratgeber sind ja nicht dazu da, um wortwörtlich umgesetzt zu werden, etwas gesunder Menschenverstand und die Fähigkeit, Anpassungen vorzunehmen, sind immer von Nutzen. Doch geärgert hat mich dann aber Kondos etwas altbackenes Geschlechterbild sowie die gut gemeinte Empfehlung an Frauen, gerade nachts etwas „Feminines“ zu tragen. Vermutlich möchte sie die Leute davon abhalten, 200 Schlafshirts zu behalten, aber es gibt keine Notwenidgkeit, feminin auszusehen, was von der Autorin praktisch synonym zu „gepflegt“ verwendet wird. Doch wie ich mich kleide, geht Marie Kondo echt nichts an. #sorrynotsorry

Trotz meiner angeführten Kritik finde ich die Bücher durchaus lesenswert und inspirierend. Wer sie nicht kaufen möchte, diese aber auch nicht in der Bibliothek erhält oder schlichtweg keine Zeit zum Lesen hat, findet zahlreiche Youtube-Videos, auch von Marie Kondo persönlich, in der die Methode erklärt wird. Und wer daran keinen Spaß hat, bekommt die KonMari Methode sogar ganz kurz in der neuen Gilmore Girls Staffel präsentiert, wobei (und ich hoffe, das ist nicht zu sehr gespoilert) diese hier nicht sonderlich gut wegkommt.

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Mein Foodblog wird minimalistischer

Besitz ist Ballast

Keine Sorge wegen der Überschrift, die Rezeptideen und andere Inhalte sind mir nicht ausgegangen. An dieser Stelle soll es sich um die Reduzierung von Dingen sowie um die daraus resultierende Konsequenz fürs Blog drehen.

Spätestens, als wir vor einem halben Jahr in kürzester Zeit unser Leben in Umzugskarton packen mussten, wurde mir bewusst, wie viel Zeug ich eigentlich habe. Spannenderweise passte meine Bekleidung samt Wintermänteln und Socken komplett in zwei Umzugkisten, das fand ich gar nicht mal sooo schlecht. Töpfe, Geschirr und Gläser hingegen blieben aus guten Gründen ungezählt. Ich hatte mir in den letzten zwei Jahren alle Mühe gegeben, einen Capsule Wardrobe aufzubauen (darüber werde ich in Kürze berichten) oder meine Büchersammlung auszudünnen, aber hatte den vollständigen Bereich der Kitchenware dabei vollkommen ausgeklammert.

Es ist nicht so, als hätte ich nicht realisiert, wie viel Kram sich angesammelt hatte. Nur als (Food-)Bloggerin kann man das Anhäufen von Kitchenware zum Glück so wunderbar rechtfertigen. Schließlich soll das Gekochte oder Gebackene anschließend auch ansprechend präsentiert werden. Wie oft habe ich beim Gedanken an einen spezifischen Blogpost einen neuen Teller gekauft „das Törtchen würde sich da doch bestimmt ganz toll drauf machen“ – oder auch gleich sechs, schließlich will man das Geschirr nachfolgend ja auch möglichst viel weiternutzen…und wenn dann mal Gäste kommen…. Auch jahreszeitspezifische Servietten mussten auf den Pirschzügen durch einschlägige Geschäfte immer mit. Ganz zu schweigen von Deko, obwohl ich meine Wohnung eigentlich immer schon ziemlich dezent dekoriert habe. Da machte sich dann auch der Gegensatz bemerkbar: Wenngleich im Alltag eigentlich meistens die gleichen drei Tassen und Teller zum Einsatz kommen und statt Servietten einfach Recycling-Küchenpapier bemüht wird, verwandelte sich der Haushalt so langsam in eine Requisitenkammer.

Irgendwann jedoch ging mir dann ein Licht auf. Dass dieses ganze „fürs Blog“ nur Selbstbetrug ist. Sicherlich kann ein bisschen Abwechslung nicht schaden, aber meine Leserinnen (das seid ihr, huhu ;) ) würden ganz bestimmt nicht das Interesse an den Rezepten verlieren, würde ich die gleiche Serviette in drei unterschiedlichen Beiträgen zeigen (von Papierservietten möchte ich ohnehin weg und habe auf der To-Do-Liste schon das Nähen von Stoffservietten vermerkt) oder nicht für jede Törtchenform einen eigenen Teller bereithalten – oder? Vielleicht ist der Teller dann einen Tick zu groß oder die Gabel nicht so verspielt, wie man sie gerne hätte, aber was soll’s? Mit Mut zur Lücke wird vieles einfacher. Noch dazu günstiger, immerhin blogge ich ja hobbymäßig und bekomme von niemandem Geld dafür, teures Zeug zu kaufen, das danach so viel Platz wegnimmt, dass man eigentlich am liebsten in eine Villa ziehen würde, nur um alles noch irgendwie organisiert unterbringen zu können. A propos: Auch die Tatsache, dass wir nun in einer kleineren Wohnung mit weniger Stauraum leben, hat mich in meiner Ansicht bestärkt. Ich möchte nicht, dass sich die Wohnform meinen Besitztümern anpassen muss, sprich: eigentlich reichen uns 2 Zimmer vollkommen aus, allerdings nur, wenn diese nicht von oben bis unten vollgestopft sind.

Doch wohin mit all den angehäuften Dingen? Wenn ihr das Glück habt, noch nicht so viel zu besitzen, solltet ihr genau überlegen, ob ihr das wirklich aufgeben wollt. Eines habe ich definitiv gelernt: „Besitz ist Ballast“ ist mehr als ein flacher Spruch. Der Umzug wäre wesentlich stressfreier und günstiger geworden und ich hätte mir all die Zeit des Minimierens gespart. Womit wir schon beim nächsten Punkt sind: Was, wenn schon zu viel da ist? Ich z. B. habe einiges an Flüchtlinge und wohltätige Flohmärkte gespendet oder über eine Free Your Stuff Gruppe via Facebook verschenkt, über Ebay bzw. die Kleinanzeigen verkauft, schlicht und ergreifend aufgebraucht, über die Familie verteilt und manches vieles lungert auch immer noch in den Regalen rum und wartet auf Aufmerksamkeit. 

Falls ihr euch jetzt fragt, warum ich diesen Artikel hier gepostet habe, so hat dies hauptsächlich zwei Gründe:  Wenn ich erst einmal verkündet habe, nicht mehr zu übertreiben, fühle ich mich zum einen nicht mehr vor irgendeinem ungeschriebenen „Blog-Gesetz für vielfältige Deko“ dazu verpflichtet.
Zum anderen habe ich die Hoffnung, auch ein klitzekleines bisschen zu motivieren, denn vielleicht geht es euch ja genauso: Falls ihr bloggt, kennt ihr möglicherweise dieses Horten zu Präsentationszwecken und vielleicht konnte ich in diesem Zusammenhang ja ein klein wenig Druck von euch nehmen; doch auch ohne zu Bloggen kann es z. B. der Perfektionismus sein, der dazu verleitet, für jede Situation und Eventualität das Passende bereitzuhalten. Doch Besitz allein macht niemanden perfekt. So liegt es denn bestimmt auch nicht am hübschen Kaffeeservice (das ihr nur einmal im Jahr rausholt), dass eure Freunde und die Familie sich so über die Einladung zu Kaffee und Kuchen bei euch freuen.

Wie steht ihr zum Thema Minimalismus, gerne speziell auch in Hinblick auf Geschirr, Deko und Co.?