Archiv der Kategorie: Minimalismus

Let’s talk about…Menstruationstassen

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Jede Frau zwischen der Pubertät und der Menopause benötigt sie rund einmal im Monat: Menstruationshygiene. Doch dafür, dass die Periode eine doch nicht ganz unerhebliche Rolle im Leben von Mädchen und Frauen ausmacht, fällt es vielen verhältnismäßig schwer, sie zu thematisieren. Auch wenn unsere Kultur menstruierende Frauen nicht per se stigmatisiert, werden sie doch auch nicht dazu ermutigt, darüber zu sprechen. Geht es um „die Tage“, werden diese oft eher bei bei vorgehaltener Hand und etwas peinlich berührt behandelt, stiefmütterlich und als unrein betrachtet. Auch ich habe etwas gezögert, hier auf dem Blog darüber zu schreiben, konnte aber nicht länger vor mir rechtfertigen, sonst so viel Wert auf female Empowerment zu legen und mich dann hier zu genieren.

Als in meiner Mädelsclique alle in der Pubertät waren, haben wir einmal kurz über die Frage „Binde oder Tampon“ gesprochen, das Thema dann aber wieder ad acta gelegt. Ehrlich gesagt habe ich mich mit beidem nie wirklich wohlgefühlt, aber es als notwendiges Übel abgetan. Von Alternativprodukten habe ich erst Jahre später erfahren, mit Anfang 20. Zunächst skeptisch, traute ich mich dann Mitte 20 doch einmal, ein solches auszuprobieren.

Inzwischen verwende ich Lunacups seit rund vier Jahren und bin sehr zufrieden. Da ich immer wieder auf interessierte Mädchen und Frauen stoße, die sich bisher noch nicht ganz sicher sind, ob eine Menstruationstasse etwas für sie ist, fasse ich an dieser Stelle mal meine Erfahrungen zusammen.

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Vor- und Nachteile von Mensturationstassen:

Vorteile:

1. Keine bösen Überraschungen

Wer kennt es nicht? Lieblingsunterhose an und dann spontan die Tage bekommen. Mist! Lunacups kann frau schon vor Beginn der Tage einsetzen, denn im Gegensatz zu Tampons haben sie keine austrocknende Wirkung. Keine doofe Überraschung und die Lieblingsunterhose somit gerettet.

2. Frei von Schadstoffen

Tampons und Binden werden aus Baumwolle hergestellt, die chemisch teils extrem stark behandelt wird. Selbst Bioprodukte schneiden in Tests nur mittelmäßig ab. Mondtassen bestehen aus Silikon und sind schadstofffrei.

3. Abfallvermeidung

Wer sich den Mülleimer einmal während bzw. nach den Tagen anschaut, weiß, wovon ich bei „Abfall“ spreche. Rechnet Mal aus, wie viel Tampons oder Binden ihr täglich, monatlich oder Jährlich verbraucht, ihr werdet staunen. Das ist ganz schön viel Müll, der da zusammenkommt. Umweltschonend sieht anders aus.

4. Spart Geld

Eng mit dem letzten Punkt der Masse an verbrauchten Produkten ist auch der finanzielle Aspekt verbunden. Hersteller geben an, dass die Tassen bis zu 10 Jahre verwendet werden können. Bedenkt ihr, wie viel Geld ihr in dieser Zeit für Monatshygiene ausgegeben hättet, spart ihr jede Menge ein. Noch dazu entkommt ihr der hohen Steuer für Tamons und Binden. Diese beträgt nämlich in Deutschland 19 Prozent, also nicht den verminderten Steuersatz, dem Grundnahrungsmittel, aber z. B. auch Bücher oder Blumensträuße unterliegen. Vielleicht sind euch in anderen Ländern ja mal Kampagnen rund um das Thema „Menstruieren ist kein Luxus“ aufgefallen. Eine Menstruationstasse wird zwar (vermutlich) auch mit 19 Prozent besteuert, aber ihr werdet immerhin nicht jeden Monat aufs Neue abgezockt.

5. Minimalistischer

Die meisten Menschen neigen ja tendenziell zur Vorratshaltung. Und wer regelmäßig Tampons oder Binden verwendet, wäre ja auch schön blöd, entsprechende Produkte nicht dann zu kaufen, wenn sie gerade im Angebot sind. Und wer sich nicht mehr sicher ist, ob noch welche zu Hause sind, kauft eben noch eine Packung, wird ja nicht schlecht. Das stimmt zwar grundsätzlich auch, aber der Platz ist dann eben doch begrenzt. Eine Schublade mit 236 Tampons gehört mit Menstruationstasse der Vergangenheit an. Frau braucht exakt ein Exemplar, that’s it. Die ist entweder in Gebrauch oder benötigt nur minimal Platz.

6. Unabhängigkeit

Wer gerne reist, hat vielleicht schon bemerkt, dass gerade Tampons unterschiedlich daher kommen. „Was bitte soll ich mit  bzw. ohne Applikator machen und finde ich überhaupt Hygieneprodukte, die für mich angenehm sind, wenn ich sie brauche?“ sind nur wenige Fragen, die dabei aufkommen können. Als ich in Moldawien ankam, und von meiner Mitbewohnerin (hey, that’s you <3) darauf hingewiesen wurde, dass es mitunter recht schwierig und/oder teuer sein kann, entsprechende Produkte zu finden, war ich noch glücklicher über die Menstruationstasse, die ich ohne großen Aufwand überall mit hinnehmen kann und die mich unabhäghängig von den jeweilig erhältlichen Hygieneartikeln im spezifischen Land macht.

7. Angenehm zu tragen

Last but not least ein natürlich sehr wichtiger Aspekt: das Tragegefühl: Was nützen einem all die positiven Aspekte, wenn es sich nicht gut anfühlt?! Zumindest für mich tut es das aber und schenke ich dem Internet glauben, bin ich damit nicht allein. Durch die flexible Struktur passt sich alles ergonomisch wunderbar an und austrocknen tut, wie bereits erwähnt, auch nichts.

Nachteile:

1. Zeitaufwand

Erst einmal Vorweg: einen wirklichen Nachteil hat die Menstruationstasse für mich eigentlich nicht. Um fair zu sein, muss aber erwähnt werden, dass es minimal mehr Zeit kostet, das Produkt monatlich fünf Minuten auszukochen und zwischen der Benutzung zu reinigen. Einen Tampon auszupacken ist geringfügig weniger zeitaufwendig als die Tasse auszuspülen. Auch das Einsetzen dauert am Anfang vielleicht ein klein bisschen, mit etwas Übung geht das aber ruckzuck.

2. Gewöhnungsbedürftig

Für manche Frauen ist es sicherlich erst einmal komisch, ihr Blut so deutlich vor sich zu sehen, gerade in Tampons ist es deutlich versteckter. Wer sich vor Blut ekelt, ist vielleicht erst einmal schockiert. Meist ist es aber nur eine Frage der Gewöhnung.

Gebrauch:

Einsetzen:

Vor dem Einführen sollte frau die Menstruationstasse für 5 Minuten auskochen. Wer keinen Topf verwenden möchte, findet auch entsprechende Mikrowellenprodukte, die für kleines Geld zusätzlich erworben werden können. Zum Einführen die Tasse falten (C-förmig hat sich bei mir am besten bewährt, s. Foto) und dann aufploppen lassen. Am besten geht das übrigens, wenn die Tasse zuvor mit sehr kaltem Wasser abgespült wurde. Zum Schluss den Sitz überprüfen, indem du mit einem Finger vorsichtig am Tassenrand entlangstreichst. Dadurch wird verhindert, das etwas danebengeht. Falls du dich anfänglich unsicher fühlst, kann die Mondtasse auch gut mit waschbaren Stoffpads (s. u.) kombiniert werden, die du online oder in Unverpacktläden kaufen kannst und auch einzeln als Ersatz zu Einmalbinden verwenden kannst. Die Tiefe, in der die Menstruationstasse eingesetzt wird, kann variiert werden, also am besten einfach ausprobieren, wie es am besten passt.

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Waschbare Stoffpads (hier: Sckoon Organic Pads)

Entfernen:

Zum Entfernen leicht mit dem Beckenboden gegen die Tasse drücken und somit das Vakuum auflösen. Tasse mit 2 Fingern leicht zusammendrücken und dann vorsichtig am Stil/dem Ring ziehen. Mit lauwarmen/kaltem Wasser ausspülen und wieder einsetzen. Am Ende der Menstruation nochmal auskochen (optional) und bis zur nächsten Menstruation im Stoffbeutelchen, das meist mitgeliefert wird, aufbewahren.

Beides braucht meist ganz wenig Übung, aber mit der Gebrauchsanleitung und ggf. einem Erklärvideo sollte es klappen.

Produkte:

Inzwischen gibt es eine ganze Reihe an Herstellern. Ich habe bisher die Me Luna und die Ruby Cup ausprobiert. Meine Me Luna hatte einen Ring und war aus recht weichem Silikon. Für den Anfang fand ich sie gut, allerdings verlor das Silikon mit der Zeit seine Festtigkeit und sie ploppte nicht mehr so gut auf. Deshalb habe ich sie nach 3 Jahren gegen eine Ruby Cup ausgewechselt. Diese ist deutlich fester und bislang bin ich mit ihr sehr zufrieden, obwohl ich anfänglich wegen des Stils etwas skeptisch war. Ich bin gespannt, wie lange sie hält, da mich die 3 Jahre bei der Me Luna doch etwas enttäuscht haben, wenn 10 Jahre versprochen werden. Allerdings hat sich der Kauf auch so schon kosten- und ressourcenmäßig bezahlt gemacht.

Bezugsquellen:

Die Mondtassen erfreuen sich inzwischen einer gewissen Beliebtheit, weshalb sie inzwischen sogar in der Drogerie zu bekommen sind. Ich möchte dir zum Kauf besonders die inzwischen zum Glück zahlreich vorhandenen Unverpackt-Läden ans Herz legen. Ansonsten gibt es aber auch diverse Onlineshops, die alternative Mensturationsprodukte vertreiben.

Fazit:

Falls du dich bisher mit herkömmlichen Monatshygieneprodukten nicht so wirklich wohlgefühlt hast, einfach neugierig bist oder umweltschonender leben möchtest, würde ich dir empfehlen, der Mondtasse einfach mal eine Chance zu geben. Manchmal braucht es etwas, bis mensch sich aus der Komfortzone traut, zumindest für mich hat es sich aber definitiv gelohnt.

ABER: Wenn du dich am Ende gar nicht wohlfühlst oder es gar nicht erst ausprobieren möchtest, weil schon die Vorstellung dich erschaudern lässt, lass dir kein schlechtes Gewissen einreden. Trotz der vielen positiven Aspekte entscheidest du, was für dich und deinen Körper akzeptabel bzw. angenehm ist.

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Aufräumen mit Marie Kondo

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Marie Kondo ist die Ikone des Aufräumens und derzeit in aller Munde. Wer sich mit dem Thema Minimalismus bzw. Reduzierung von Besitz auseinandersetzt, kommt an ihr eigentlich nicht vorbei. Grund genug, euch ihr Buch „The Life-Changing Magic of Tidying“ sowie ihre Praxisbuch „Spark Joy“ näher vorzustellen. Für den Fall, dass ihr es nicht ganz so detailliert möchtet, springt gerne gleich zu meinem Fazit am Ende meines Artikels.

Aufräumtechnisch macht mir so schnell eigentlich niemand was vor. Schon als Kind habe ich supergerne mein Zimmer aufgeräumt und sogar regelmäßig meinem Bruder dabei geholfen, Ordnung in sein Spielzeug zu bringen oder gar alte Versandkataloge meiner Eltern aussortiert, wann immer ich durfte. Doch als in dem Minimalistenforum, in dem ich Mitglied bin (damals noch ein separater Thread bei Kleiderkreisel) so viele anfingen, von Marie Kondo zu schwärmen, musste ich mir das Buch doch mal anschauen. Ich habe es, das muss ich zu meiner Schande gestehen, nicht ausgeliehen, sondern gekauft, da ich es unbedingt in der Originalsprache lesen wollte, wobei es ein Weilchen gedauert hat, bis ich dann auch mal kapiert hatte, dass das Buch zuerst auf Japanisch erschienen ist und nicht in englischer Sprache verfasst wurde. Aber da hatte ich es eh schon auf Englisch bestellt und war mit dieser Wahl auch sehr zufrieden. Für mich klingen Ratgeber auf deutsch irgendwie immer besonders altbacken.

Auch wenn schon der Titel keine minimalistischen Schwerpunkte verspricht, hatte ich Minimalismus aufgrund verschiedener Rezensionen als integralen Bestandteil erwartet. Dies trifft allerdings nur eingeschränkt zu. Hauptsächlich (es gibt Ausnahmen!) befasst sich das Buch nicht schwerpunktmäßig mit dem Nutzen von Gegenständen („Brauche ich wirklich 150 Paar Schuhe?“), sondern stellt die persönliche Beziehung zu diesen in den Mittelpunkt: „Bereitet mir Teil xy Freude oder nicht?“ Wenn von den 150 Schuhe im Schuhschrank 99 positive Gefühle („Spark Joy“) hervorrufen, dürfen diese entsprechend der Logik von Marie Kondo auch bleiben. Positive Gefühle legt die Autorin der Praxis halber weiter aus, damit auch aktuelle Steuerratgeber oder Tesafilm, die nicht unbedingt dazu prädestiniert sind, stärkere positive Emotionen hervorzurufen, jedoch sehr nutzlich seien können und das Leben vereinfachen, erfasst werden können.

Ziel ist es für sie also nicht, am Ende einen reduzierten Capsule Wardrobe erschaffen zu haben, sondern nur noch von Dingen umgeben zu sein, die einen beglücken. Gleichzeitig soll beim Ausmisten Ordnung geschaffen werden. Auch wenn die positive Grundeinstellung zur (gut sortierten!) Schuhsammlung Gegenteiliges vermuten lassen würde, vertritt Kondo durchaus die These, dass die meisten Menschen, gemessen daran, was sie wirklich glücklich macht, zu viel besitzen. So legt sie ihren Klient*innen bzw. Leser*innen auch erst einmal nahe, vor dem Aufräumen gründlich auszusortieren, wobei sie im Buch leider konstant dazu rät, die Dinge, die nicht bleiben dürfen, wegzuwerfen. Sicherlich wäre es hier ratsam, alternative Ansätze zu wählen, gerade weil sie Dingen ohnehin einen hohen Stellenwert einräumt und diese geradezu personifiziert. Vor diesem Hintergrund wäre es nur konsequent, materiellen Gütern Achtsamkeit zu schenken, indem auf eine mögliche Weiternutzung hingewiesen wird, die ja auch viel ressourcenschonender wäre. Allerdings scheint Kondo hier einen eher individualistischen und für sie pragmatischen Ansatz zu verfolgen: Aus den Augen, aus dem Sinn – je schneller die Dinge aus dem Haus kommen, desto besser.

Beim Aussortieren selbst geht Kondo sehr strukturiert vor, nämlich nach den Kategorien Kleidung, Bücher, Dokumente, Sonstiges sowie Erinnerungsstücke und zwar genau in dieser Reihenfolge, da sie die Meinung vertritt, dass es leichter sei, sich von Kleidung als von Erinnerungsstücken zu trennen. Wesentlicher Bestandteil der KonMari-Methode ist es, alle Güter einer Kategorie an einem Ort zu versammeln und diese dann auf einmal auf ihre Fähigkeit, Freude zu versprühen zu „testen“. Laut Marie Kondo ist das Chaos bei vielen Menschen der Tatsache geschuldet, dass sie sich beim Aufräumen immer einem bestimmten Ort widmen, dabei aber beispielsweise vergessen, dass im Keller, auf dem Dachboden oder aber im Flur noch weitere sieben Winterjacken hängen, die sie weder alle brauchen noch mögen. Gleichzeitig empfiehlt Kondo, sich lieber wenige Tage und an einem Stück dem Aufräumen zu widmen als jeden Donnerstagnachmittag eine Schublade aufzuräumen. Wer so vorgehe, werde nie fertig und schaffe auch kein passendes System, das jedoch zentral sei, um Unordnung dauerhaft zu vermeiden: Nur, wenn jedes einzelne Teil einen festen Platz in der Wohnung habe, sei es möglich, die Wohnung dauerhaft von Chaos zu befreien.

Dazu bietet sie insbesondere in ihrem zweiten Buch, das sie seltsamerweise erst für Menschen, die das erste Buch komplett durchgearbeitet haben (also bereits Ordnung mit der KonMari-Methode geschaffen haben), empfiehlt, gute Praxistipps, sei es zum effizienten Falten und Lagern von Kleidung oder dem Sortieren des Badezimmerschranks. Wer das zweite Buch also überhaupt kaufen möchte (die Methode lässt sich auch allein mit dem ersten gut begreifen), sollte es meines Erachtens parallel oder unmittelbar nach dem ersten lesen, um die Erkenntnisse dann gleich verarbeiten zu können.

Mein Fazit:

Marie Kondos Bücher waren für mich durchaus inspirierend. Ihre Methode, nach Kategorie und in einem Rutsch aufzuräumen, entspricht meiner sonstigen Aufräumpraxis, sodass hier nicht mehr so viel Neues für mich dabei war. Die ein oder andere Idee, etwa zu Faltmethoden von Socken oder der Lagerung von T-Shirts habe ich jedoch mitgenommen. Auch manche Zitate bzw. Konzepte sind mir durchaus positiv im Gedächtnis geblieben. So etwa „Sometime means never“ bzw. „Sometime never comes“, wenn es darum geht, dass Dinge, die bisher nicht verwendet wurden, oft nur aufbewahrt werden, weil sie irgendwann vielleicht doch gelesen, getragen oder gebraucht werden könnten.
Auch die Frage „Am I having trouble getting rid of this because of an attachment to the past or because of fear for the future?“ finde ich durchaus wichtig. Wir müssen uns klar machen, dass Erinnerungen im Kopf und nicht in der verstaubten Kiste auf dem muffig-feuchten Dachboden gespeichert sind. Als Foodbloggerin musste ich auch ganz besonders über ihren Vergleich von Küchengadgets mit Kinderspielzeug schmunzeln: Am Anfang sei alles ganz toll und aufregend, aber nach kurzer Zeit verliere es seinen Reiz. Da ist zumindest für mich definitiv etwas dran, weshalb ich mich in den letzten Jahren von einigem getrennt habe. Wäre es nicht schon weg, hätte ich es spätestens nach der Lektüre aussortiert.

Weniger gut gefallen hat mir der unnachhaltige Ansatz, aussortierte Besitztümer einfach wegzuwerfen. Hier möchte ich definitv an Möglichkeiten wie Verkaufen, Verschenken bzw. Spenden erinnern. Auch ihr System erscheint, wie an zahlreichen von ihr angeführten Anekdoten deutlich wird, stellenweise willkürlicher als sie zugibt. Über spirituelle und sehr unpraktische Ansätze habe ich hinweg gelesen. Als Minimalistin habe ich beispielsweise ohnehin nur eine Tasche, die ich im Alltag verwende, sodass ich gar nicht einsehe, diese täglich auszuräumen. Auch das meditative Falten für Kleidung wird für mich wohl nie zum Hobby werden, aber das ist okay, Ratgeber sind ja nicht dazu da, um wortwörtlich umgesetzt zu werden, etwas gesunder Menschenverstand und die Fähigkeit, Anpassungen vorzunehmen, sind immer von Nutzen. Doch geärgert hat mich dann aber Kondos etwas altbackenes Geschlechterbild sowie die gut gemeinte Empfehlung an Frauen, gerade nachts etwas „Feminines“ zu tragen. Vermutlich möchte sie die Leute davon abhalten, 200 Schlafshirts zu behalten, aber es gibt keine Notwenidgkeit, feminin auszusehen, was von der Autorin praktisch synonym zu „gepflegt“ verwendet wird. Doch wie ich mich kleide, geht Marie Kondo echt nichts an. #sorrynotsorry

Trotz meiner angeführten Kritik finde ich die Bücher durchaus lesenswert und inspirierend. Wer sie nicht kaufen möchte, diese aber auch nicht in der Bibliothek erhält oder schlichtweg keine Zeit zum Lesen hat, findet zahlreiche Youtube-Videos, auch von Marie Kondo persönlich, in der die Methode erklärt wird. Und wer daran keinen Spaß hat, bekommt die KonMari Methode sogar ganz kurz in der neuen Gilmore Girls Staffel präsentiert, wobei (und ich hoffe, das ist nicht zu sehr gespoilert) diese hier nicht sonderlich gut wegkommt.

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Buchvorstellung: Zero Waste Home

Zero Waste Home front

Wie ihr auf dem Blog wahrscheinlich schon mitbekommen habt, beschäftige ich mich derzeit viel mit der Reduzierung von Plastik, das nicht selten als Einwegprodukt daherkommt (Plastikbesteck lässt grüßen) und generell von Abfällen, nicht nur in der Küche, sondern beispielsweise auch im Bad. Obwohl Bea Johnson die Galionsfigur der Zero Waste Bewegung ist, hörte ich zuallererst von ihrer „kleinen Schwester im Geiste“, Lauren Singer. Auf sie bin ich vor rund anderthalb Jahren durch einen Artikel auf irgendeiner amerikanischen Seite aufmerksam geworden und sofort saugte ich alles auf, was ich auf ihrem Blog Trash is for Tossers über diesen ressoucenschonenden Lebensstil las. Einige Änderungen hatte ich zu diesem Zeitpunkt schon implementiert, doch die Vielfalt der Möglichkeiten war mir damals noch nicht ansatzweise bewusst.

Bea Johnson, die auch Lauren Singer als Vorbild nennt, lernte ich erst über diesen Umweg kennen und muss zugeben, bei einem ersten Blick auf ihren Blog Zero Waste Home noch nicht übermäßig begeistert gewesen zu sein (ich habe keine Ahnung mehr, warum). Vielleicht war es der Tatsache geschuldet, dass eine Studentin mir wesentlich mehr Identifikationspunkte ermöglichte, die es bei einer in einem für meine Verhältnisse riesigen Haus lebenden Familie mit Kids nicht so ohne Weiteres gab. Ich habe ein paar Artikel gelesen, die mir, möglicherweise auch aufgrund der Tatsache, dass ich keine Englisch-Muttersprachlerin bin, irgendwie sehr streng vorkamen (als ich neulich nochmal den Blog las, konnte ich für das Zustandekommen dieses Eindrucks allerdings keine Erklärung mehr finden). Manchmal macht vielleicht auch einfach die vermeintliche Perfektion zunächst Angst. I don’t know. Als ich jedoch vor ein paar Monaten mal wieder auf Youtube nach Zero Waste Inspiration suchte und dabei über Bea Johnsons Rede bei Google stolperte, war sie mir plötzlich ultrasympathisch und ich beschloss, mir doch ihr Buch zu kaufen.

Da ich in der Bibliothek keine Chance hatte, ihr Buch zu finden (und die Möglichkeit einer Fernleihe zu diesem Zeitpunkt noch nicht bedacht habe), war ihr Buch tatsächlich das erste, das ich mir zum Thema Zero Waste/Minimalismus zulegte. Ich sehe einen gewissen Widerspruch darin, mir Bücher zu kaufen, die sich mit der Reduzierung von Besitz befassen. Das ist schon ziemlich ironisch, ne? Nicht zuletzt deshalb schlägt die Autorin im Buch selbst auch vor, dieses nach dem Lesen in der Bibliothek abzugeben oder an Freunde/Verwandte weiterzugeben, was ich definitiv machen werde.

Jetzt aber mal zum Buch selbst. Ich habe es mir in der Taschenbuchausgabe gekauft. Erschienen ist dieses bei Scribner und kostet in Amerika rund 17 Dollar. Da englischsprachige Bücher in Deutschland keiner Buchpreisbindung unterliegen, kann der Preis schon mal zehn Euro auseinanderklaffen. Ich meine, ich habe rund 20 Euro bezahlt. Das Buch ist auch als E-Book erhältlich, da ich allerdings keinen entsprechenden Reader habe und das Lesen am Laptop für mich nicht sonderlich komfortabel ist, entschied ich mich für die Version zum anfassen.

Am Anfang des Buchs beschreibt Bea Johnson ihren persönlichen Weg zum Zero Waste Lifestyle (wobei sie betont, dass es derzeit unmöglich ist, bei 0,00 Prozent Müll herauszukommen) und stellt ihre fünf Grundprinzipien (die so genannten 5 R’s) Refuse (what we do not need), Reduce (what we do need and cannot refuse), Reuse (what we consume and cannot refuse or reduce), Recycle (what we cannot refuce, reduce or reuse) und Rot (compost the rest) vor. Auf diese kommt sie im Laufe der einzelnen Kapitel immer wieder zurück. Letztere sind sehr gut strukturiert und übersichtlich in die unterschiedlichen Funktionsbereiche des Hauses und des alltäglichen Lebens gegliedert. So widmet sie sich hier der Küche und dem Einkaufen (dem Bereich, an den vermutlich die meisten zunächst denken, wenn sie „Zero Waste“ hören), dem Badezimmer, Toilettenartikeln und Wellness, dem Schlafzimmer und dem Kleiderschrank, dem Haushalt und der Instandhaltung, dem Arbeitsplatz und Junk Mail, Kindern und der Schule, Feiertagen und Geschenken sowie Zero Waste unterwegs. Am Ende eines jeden Kapitels gibt sie eine kleine, kompakte Zusammenfassung über die 5 R’s, die in diesem Bereich möglich sind. Außerdem gibt es Tipps zum Implementieren dieses Lebensstils (auch wenn sie diese zudem in den einzelnen Unterkapiteln liefert). In einem abschließenden Kapitel befasst sie sich mit der Zukunft von Zero Waste und zeichnet eine Utopie, wie sich eine Zero Waste Welt gestalten könnte. Im Anhang befinden sich noch einige Links und Bezugsquellen, wobei diese überwiegend für in den USA lebende Menschen interessant sind.

Für mich hat die Lektüre des Buchs sehr viel gebracht. Ich beschäftige mich schon seit mehreren Jahren mit Minimalismus und bin seither stetig am downsizen meines Kleiderschranks, des Kücheninventars oder des Bücherregals, die ich regelmäßig durchgehe um zu sehen, ob alles noch aktuell ist und benötigt wird. Hierfür bietet das Buch zahlreiche Inspirationen und Praxistipps. Bea Johnson zeigt wunderbar die Verbindung zwischen Minimalismus und Zero Waste auf, ohne dabei lehrmeisterinnenhaft daherzukommen. Sie betont stets, dass Prioritäten anders verteilt sein können und etwas, das für ihre Familie und sie funktionieren kann, für andere eben nicht funktioniert. Gleichzeitig ermutigt sie aber dazu, bestimmte Dinge einfach mal auszuprobieren und bestärkt einen darin, sich nicht so leicht abwimmeln zu lassen, wenn einem etwas wichtig ist (sei es von der Frau am Tresen, die, für mich als Veganerin nicht relevant, Fleisch oder Käse nicht in die mitgebrachte Dose füllen möchte und auch nicht von hartnäckigen Unternehmen, die den Briefkasten mit Werbekatalogen fluten).

Sehr erfrischend finde ich es auch, dass sie immer mehrere Seiten beleuchtet. So habe ich durch das Buch zum Beispiel rausgefunden, dass in Amerika so gut auf selbstgemachte Zahnpasta zurückgegriffen werden kann, da das Wasser dort in den meisten Regionen wohl fluoridiert ist. Auch geht sie darauf ein (darüber hatte ich auch schon nachgedacht), dass verpackungsfrei relativ ist, da der Unverpackt-Laden die Produkte natürlich verpackt bekommt und somit eine Art „Lagerfläche“ darstellt, die man selbst zu Hause bräuchte, würde man Großpackungen bestellen. Großpackungen sind, bezogen auf die Relation Verpackung/Inhalt „günstiger“ als kleinere Verpackungen, bei denen im Verhältnis recht viel Müll anfällt. Sonnencreme kauft sie inzwischen zwar lose, aber damals hat sie noch gesagt, dass sie bei starker Sonnen-Exponition auf Sonnencreme aus Glas oder Metallbehältern zurückgreift. Ich finde das insofern interessant, als es für mich manchmal etwas schwer erscheint, alle Komponenten (die eigenen [evtl. sogar gesundheitlich erforderlichen] Bedürfnisse, das Vegan-sein eines Produkts und die Unverpacktheit…) unter einen Hut zu bringen. So finde ich auch, dass es weniger darauf ankommt, dass der von einem produzierte Müll am Ende des Jahres in ein Mason Jar passt, sondern, dass man sich den Umweltfolgen seines Konsums erst einmal bewusst wird und für sich versucht, diese, so gut es eben geht, einzudämmen. Dabei müssen auch Opportunitätskosten wie Zeit oder auch zurückgelegte Wege berücksichtigt werden, denn was bringt es einem, wenn man in der Theorie zwar ein tolles, verpackungsfreies Leben führen könnte, aber dafür dann den ganzen Tag in der Küche stehen müsste oder, noch besser: erstmal mit dem Auto eine lange Strecke auf sich nehmen muss, um dann verpackungsfrei einzukaufen, was ökologisch natürlich auch nicht sinnvoll wäre?

Generell lädt das Buch sowohl zum Nachdenken als auch zum Mit- und Nachmachen ein und wird durch zahlreiche Listen und Rezepte abgerundet. Ein ganz tolles Buch für alle, denen ein nachhaltiger Lebensstil am Herzen liegt. 292 großartige Seiten, inklusive detailliertem Index, sodass das Buch auch auf bestimmte Themen hin durchsucht werden kann, wenn gerade keine Zeit ist, es von vorne bis hinten durchzulesen. Ich selbst habe mit den Gebieten begonnen, die mich am meisten interessierten und es dann nochmal komplett gelesen, um es in einem Gesamtkontext zu haben. Über die ein oder andere Erkenntnis, werde ich sicherlich noch berichten.

Zero Waste Home back

Mein Foodblog wird minimalistischer

Besitz ist Ballast

Keine Sorge wegen der Überschrift, die Rezeptideen und andere Inhalte sind mir nicht ausgegangen. An dieser Stelle soll es sich um die Reduzierung von Dingen sowie um die daraus resultierende Konsequenz fürs Blog drehen.

Spätestens, als wir vor einem halben Jahr in kürzester Zeit unser Leben in Umzugskarton packen mussten, wurde mir bewusst, wie viel Zeug ich eigentlich habe. Spannenderweise passte meine Bekleidung samt Wintermänteln und Socken komplett in zwei Umzugkisten, das fand ich gar nicht mal sooo schlecht. Töpfe, Geschirr und Gläser hingegen blieben aus guten Gründen ungezählt. Ich hatte mir in den letzten zwei Jahren alle Mühe gegeben, einen Capsule Wardrobe aufzubauen (darüber werde ich in Kürze berichten) oder meine Büchersammlung auszudünnen, aber hatte den vollständigen Bereich der Kitchenware dabei vollkommen ausgeklammert.

Es ist nicht so, als hätte ich nicht realisiert, wie viel Kram sich angesammelt hatte. Nur als (Food-)Bloggerin kann man das Anhäufen von Kitchenware zum Glück so wunderbar rechtfertigen. Schließlich soll das Gekochte oder Gebackene anschließend auch ansprechend präsentiert werden. Wie oft habe ich beim Gedanken an einen spezifischen Blogpost einen neuen Teller gekauft „das Törtchen würde sich da doch bestimmt ganz toll drauf machen“ – oder auch gleich sechs, schließlich will man das Geschirr nachfolgend ja auch möglichst viel weiternutzen…und wenn dann mal Gäste kommen…. Auch jahreszeitspezifische Servietten mussten auf den Pirschzügen durch einschlägige Geschäfte immer mit. Ganz zu schweigen von Deko, obwohl ich meine Wohnung eigentlich immer schon ziemlich dezent dekoriert habe. Da machte sich dann auch der Gegensatz bemerkbar: Wenngleich im Alltag eigentlich meistens die gleichen drei Tassen und Teller zum Einsatz kommen und statt Servietten einfach Recycling-Küchenpapier bemüht wird, verwandelte sich der Haushalt so langsam in eine Requisitenkammer.

Irgendwann jedoch ging mir dann ein Licht auf. Dass dieses ganze „fürs Blog“ nur Selbstbetrug ist. Sicherlich kann ein bisschen Abwechslung nicht schaden, aber meine Leserinnen (das seid ihr, huhu ;) ) würden ganz bestimmt nicht das Interesse an den Rezepten verlieren, würde ich die gleiche Serviette in drei unterschiedlichen Beiträgen zeigen (von Papierservietten möchte ich ohnehin weg und habe auf der To-Do-Liste schon das Nähen von Stoffservietten vermerkt) oder nicht für jede Törtchenform einen eigenen Teller bereithalten – oder? Vielleicht ist der Teller dann einen Tick zu groß oder die Gabel nicht so verspielt, wie man sie gerne hätte, aber was soll’s? Mit Mut zur Lücke wird vieles einfacher. Noch dazu günstiger, immerhin blogge ich ja hobbymäßig und bekomme von niemandem Geld dafür, teures Zeug zu kaufen, das danach so viel Platz wegnimmt, dass man eigentlich am liebsten in eine Villa ziehen würde, nur um alles noch irgendwie organisiert unterbringen zu können. A propos: Auch die Tatsache, dass wir nun in einer kleineren Wohnung mit weniger Stauraum leben, hat mich in meiner Ansicht bestärkt. Ich möchte nicht, dass sich die Wohnform meinen Besitztümern anpassen muss, sprich: eigentlich reichen uns 2 Zimmer vollkommen aus, allerdings nur, wenn diese nicht von oben bis unten vollgestopft sind.

Doch wohin mit all den angehäuften Dingen? Wenn ihr das Glück habt, noch nicht so viel zu besitzen, solltet ihr genau überlegen, ob ihr das wirklich aufgeben wollt. Eines habe ich definitiv gelernt: „Besitz ist Ballast“ ist mehr als ein flacher Spruch. Der Umzug wäre wesentlich stressfreier und günstiger geworden und ich hätte mir all die Zeit des Minimierens gespart. Womit wir schon beim nächsten Punkt sind: Was, wenn schon zu viel da ist? Ich z. B. habe einiges an Flüchtlinge und wohltätige Flohmärkte gespendet oder über eine Free Your Stuff Gruppe via Facebook verschenkt, über Ebay bzw. die Kleinanzeigen verkauft, schlicht und ergreifend aufgebraucht, über die Familie verteilt und manches vieles lungert auch immer noch in den Regalen rum und wartet auf Aufmerksamkeit. 

Falls ihr euch jetzt fragt, warum ich diesen Artikel hier gepostet habe, so hat dies hauptsächlich zwei Gründe:  Wenn ich erst einmal verkündet habe, nicht mehr zu übertreiben, fühle ich mich zum einen nicht mehr vor irgendeinem ungeschriebenen „Blog-Gesetz für vielfältige Deko“ dazu verpflichtet.
Zum anderen habe ich die Hoffnung, auch ein klitzekleines bisschen zu motivieren, denn vielleicht geht es euch ja genauso: Falls ihr bloggt, kennt ihr möglicherweise dieses Horten zu Präsentationszwecken und vielleicht konnte ich in diesem Zusammenhang ja ein klein wenig Druck von euch nehmen; doch auch ohne zu Bloggen kann es z. B. der Perfektionismus sein, der dazu verleitet, für jede Situation und Eventualität das Passende bereitzuhalten. Doch Besitz allein macht niemanden perfekt. So liegt es denn bestimmt auch nicht am hübschen Kaffeeservice (das ihr nur einmal im Jahr rausholt), dass eure Freunde und die Familie sich so über die Einladung zu Kaffee und Kuchen bei euch freuen.

Wie steht ihr zum Thema Minimalismus, gerne speziell auch in Hinblick auf Geschirr, Deko und Co.? 

Loveco Berlin

Bereits letztes Jahr im November eröffnete in der Sonntagstraße in Berlin, unmittelbar am Ostkreuz gelegen, das loveco, ein nachhaltiges und faires Modegeschäft, das – hört hört – ausschließlich vegane Mode führt. Aufgrund von Weihnachtsstress und Sparvorhaben schaffte ich es dann schließlich erst Anfang 2015 in den wundervollen Shop, auch schon wieder etwas länger her. Nun aber ist Schluss mit dem Vorenthalten und mein längst überfälliger Bericht ist endlich da. So viel schonmal vorweg: Wer einen Berlinbesuch einplant (oder sogar hier wohnt) und sich in Sachen nachhaltiger Mode und Accessoires umsehen möchte, sollte unbedingt einen Besuch bei loveco einplanen. Ihr werdet nicht enttäuscht sein, versprochen.

Schon allein optisch ist der Shop ein wahrer Augenschmaus und man merkt, dass Inhaberin Christina den Laden mit ganz viel Liebe und Geschick eingerichtet hat. Pardon, ich gestehe, ich habe mal in der Einrichtungs-/Möbelbranche gearbeitet und achte daher vielleicht etwas mehr aufs Interieur; aber ich finde, dies trägt maßgeblich zur Atmosphäre bei. Und die wiederrum ist wichtig, weil wir uns ja schließlich in aller Ruhe umschauen und uns ggf. auch – genauso entspannt – für etwas entscheiden wollen.

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Frische Tulpen (meine Lieblingsblumen) auf dem Tisch, Kleidung an Kupferrohren, die „Jeansnische“ und wie cool ist z.B. eine Schaukel mitten im Shop?!

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Ich liebe ja so Läden, in denen immer neue Details zu entdecken sind. So geht es mir im loveco eigentlich jedes Mal. Den wunderschönen Schmuck von A beautiful Story, der lässig von der Wand hängt, habe ich zum Beispiel erst bei meinem zweiten Besuch entdeckt, nachdem mich mein Mann auf diesen aufmerksam gemacht hatte. Das Armband, das mir er mir dann zu Ostern geschenkt hat, hat er übrigens auch hier gekauft.

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Im hinteren Teil des Ladens befinden sich dann neben Männerbekleidung…

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…auch noch verschiedene Accessoires, Papeterie-Artikel, kleine Täschchen, Sonnenbrillen, Schuhe, Soulbottles und Produkte von Dr. Bronner. Möchte man andere oder sich selbst mal beschenken, wird man hier sicherlich fündig. Wer „nur mal so zum Gucken“ vorbeischauen möchte, muss schon ganz schön diszipliniert sein und obwohl ich wirklich sehr bewusst und wenig einkaufe, habe ich ein paar Schätzen einfach nicht widerstehen können.

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Von welcher Marke diese Socken sind, weiß ich gar nicht so genau, aber die Idee, sie in einem Vintagekoffer zu platzieren, finde ich auch total charmant. Den kann man in Ruhe durchstöbern und bekommt so ein bisschen Flohmarkt-Feeling.

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Ich hoffe, meine kleinen Ausschnitte haben euch Lust aufs Bummeln gemacht, denn es lohnt sich wirklich, sich hier durch viele tolle Marken von Armed Angels bis Wunderwerk zu stöbern. Und wenn ihr mal die ein oder andere Nachfrage habt, bekommt ihr sicherlich kompetente Beratung.

Für alle, die sich Fairtrade-Läden fernhalten, weil sie sich vor den Preisen „fürchten“, noch ein kleines Bild zum Nachdenken, das direkt vorm Laden steht.

Buy better, buy less.

Niemand braucht 20 Jeans oder 50 Blusen und Shopping ist kein Hobby – schon gar nicht, wenn es zu Lasten von Mensch und Umwelt geht. Klingt logisch, oder?

Übrigens: Ganz, ganz zufällig habe ich bei Facebook eben noch entdeckt, dass ihr am morgigen Samstag (02.05.15) 10% Rabatt auf eure Einkäufe erhaltet und zusätzliche 10% der Tageseinnahmen nach Nepal gespendet werden. Find ich richtig gut. :)

Adresse:
Sonntagstr. 29
10245 Berlin

Öffnungszeiten:
Mo-Fr 12.00-20.00
Sa 11.00-18.00

Ausmistaktion oder weniger ist mehr – Bücher

Bücherregal

Ich erinnere mich noch, als wäre es gestern gewesen: Einführungsveranstaltung Literaturwissenschaft. Die Dozentin steht vorne am Pult und und thematisiert plötzlich, dass sie bereits Bücher weggeworfen hat. Ein lautes Raunen geht durch die Reihen, entsetzte Blicke, Irritation bis Zorn. Die Tatsache, dass die Bücher weggeworfen worden sind, ist hier nur das halbe Problem, denn ebenso blutet das Herz, weil die Vorstellung, jemals ein Buch wegzugeben, einfach nur vollkommen absurd ist. Die Dozentin lächelt und sagt: „Warten Sie mal, bis Sie ein paarmal umgezogen sind – Umzugskartons mit Büchern sind schwer, da lernen Sie, sich von Büchern zu trennen, die sie nicht für absolut genial halten…“

Auch ich gehörte damals, so wie jede andere Person in diesem Raum, zu denjenigen, die ihre Stirn kritisch in Falten legten. „Mich von einem Buch trennen? Niemals!“

Dieses Jahr steht aller Voraussicht nach der dritte Umzug an. Mittlerweile verstehe ich ganz genau, was meine Dozentin damals meinte. Aber auch, wenn man gerade keine Kisten packt – Bücher, genau wie alle anderen Besitztümer, kosten Platz. Und so groß meine Bewunderung für das geschriebene Wort auch heutzutage noch ist,  nur weil etwas zu Papier gebracht wurde, muss ich es nicht per se gut finden. Auch wenn es in einem Buch steht. Punkt. Ich möchte mich wirklich nicht mit Dingen umgeben, die ich nicht hunderprozentig wertschätze oder die mir zumindest von Nutzen sind (das lästige, dicke Buch für die Uni muss vorerst vielleicht noch im Regal stehen bleiben, weil es nicht in digitaler Form vorhanden ist, ausmisten kann man es später noch – aber wenn wir regelmäßig damit arbeiten und es gut ist, ist es für uns vielleicht trotzdem etwas wert).

So habe ich meine Bücher über die Zeit von 3 Bücherregalen (Billy) auf 1,5 zusammenschrumpfen lassen. Das mag vielleicht für manche unvorstellbar sein, aber ich fühle mich damit nun viel besser, da die Bücher, die übrig geblieben sind, nun wirklich meinem Geschmack entsprechen. Der wird sich mit der Zeit ändern, alte Bücher werden aus-, andere temporär (denn ich möchte in Zukunft wieder mehr ausleihen) oder dauerhaft einziehen, aber das ist okay so.

Es gibt keinen Grund, das Regal mit verstaubten Klassikern vollzustopfen, wenn man eigentlich nur Krimis oder Vampirromane mag. Auch wenn man immer mal wieder anekdotenhaft von Leuten hört, die das machen, um zu beeindrucken, aber möchte man wirklich Freunde, die einen nur mögen, weil man etwas bestimmtes hat und anderes nicht? Eben! Das gilt selbstverständlich nicht nur für Bücher…. Natürlich ist das vorangegangene  Beispiel schon etwas „extrem“, aber vielleicht erwischen wir uns alle schon eher dabei, wenn es um dieses eine Buch geht, das wir schon dreimal angefangen und immer wieder gelangweilt zur Seite gelegt haben. Man „sollte es mal gelesen haben…“, denken wir uns, aber wer sagt das eigentlich? Manchmal habe ich das Gefühl, auf einer meiner Schultern sitzt immer noch meine Deutschlehrerin, aber die habe ich nun gleich mit verbannt ;) Wenn ich das Buch vom Stil katastrophal finde, aber mich, warum auch immer, doch für eine kurze Inhaltsangabe interessiere, bleibt immer noch der Blick in die Wikipedia.

Beim Ausmisten haben mir u.a. folgende Fragen geholfen:

Würde ich die Bücher lieben Menschen weiterempfehlen?
Würde ich sie nochmal lesen wollen?
Nutze ich die Bücher gerne und regelmäßig (zum Lernen, Nachkochen, als Ratgeber)?

Das allermeiste, was bei diesen Fragen durchgefallen ist, musste gehen.

Wohin nun mit den aussortierten Büchern?

Ebay

Wenn die Bücher noch sehr gut erhalten sind, könnt ihr sie natürlich wieder zu Geld verwandeln. Artikel einfach mit möglichst genauer Beschreibung einstellen, warten, wieder warten (auf Bezahlung), verschicken, sich über den Platz freuen. Ebay ist immer mit viel Arbeit verbunden, die Artikel müssen fotografiert werden und jedes Buch muss einzeln eingestellt werden. Natürlich könnt ihr auch ein „Buchpaket“ schnüren. Romane sind bei mir immer äußerst schlecht verkauft worden, Kochbücher oder Hochzeitsratgeber bin ich gut losgeworden. Wenn ihr noch einen bestimmten Preis erzielen wollt, einfach zum Festpreis einstellen.

Flohmarkt

Auf dem Flohmarkt ist die Konkurrenz, falls es professionelle Bücherhändler gibt, vermutlich groß, dennoch kann man es mal versuchen. Allerdings würde ich das Hauptaugenmerk eher auf Bücher legen, die ihr günstig weitergeben möchtet, denn kaum jemand ist auf dem Flohmarkt bereit, 10, 12 Euro für ein Buch auszugeben, da ist Ebay dann die bessere Alternative. Meistens.

Zu einem Ankaufdienst senden

Wenn ihr wenig Zeit und Geduld habt, könnt ihr die Bücher auch zu Momox oder Rebuy senden. Das lohnt sich allerdings wiederum nur, wenn ihr wirklich viele Sachen habt, da das Porto erst ab einem Ankaufwert von 10 Euro frei ist. Klingt nicht viel, aber teilweise bekommt man für ein Buch gerade noch 15 oder 25 ct., wenn es sich um einen eher häufigen Artikel handelt. Die Bücher werden nämlich weit unter Originalpreis verkauft und das Unternehmen hat eine gehörige Gewinnspanne.  Vieles wird auch (momentan) nicht (mehr) angekauft, man stelle sich die Pflichtlektüre eines halben Abiturjahrgangs vor (wobei angemarkerte oder schlecht erhaltene Bücher nicht angenommen werden), der die Bücher nach erfolgreicher Prüfung einschickt – so viel Nachfrage nach diesem Buch wird nie da sein und das Unternehmen würde drauf sitzen bleiben. Macht so natürlich keinen Sinn. Ich habe ein Paket gepackt, aber das ist noch in Bearbeitung und wurde aufgrund oben beschriebener Problematik auch nur voll, weil ich einen Haufen CDs dazugepackt habe. Rechnet sich finanziell nicht wirklich, spart aber Nerven und Zeit. Und das ist manchmal genauso viel Wert wie Bares.

Freunden geben

„Interessiert sich Anna nicht so für Kunstgeschichte? Studiert Paul nicht Latein auf Lehramt?“ Wenn ihr bei bestimmten Büchern gleich an bestimmte Leute denkt, die sie gebrauchen oder sich dafür interessieren könnten, dann fragt doch einfach mal nach, ob sie vielleicht das Buch gerne hätten. Ob geschenkt oder gegen eine Einladung zur selbstgemachten Lasagne, ist natürlich eure Sache :)

Öffentliche Bücherregale/Give Boxen

In Berlin sind öffentliche Bücherregale und Give Boxen leider für die Größe der Stadt verhältnismäßig rar. Aus Süddeutschland, wo ich schon oft Urlaub gemacht habe, weiß ich, dass die Dichte dort wesentlich besser ist. Das Prinzip eines öffentlichen Bücherregals funktioniert ganz einfach: Ihr könnt Bücher vorbeibringen und wenn ihr ein oder mehrere für euch spannende Exemplare seht, könnt ihr diese mitnehmen. Auch wer nichts vorbeigebracht hat, darf was mitnehmen und umgekehrt. Alles kostenlos. In Give-Boxen können neben Bücher auch alle anderen irgendwie logisch erscheinenden Dinge (Kleidung, CDs, Spielsachen…) reingestellt werden. Googelt am besten mal nach einem Standort in eurer Nähe, bei Wikipedia habe ich z.B. eine Liste öffentlicher Bücherschränke gefunden. Teilweise gibt es auch an Unis oder in Cafés solche Regale, die hier natürlich nicht aufgelistet werden.

Bookcrossing:

Bookcrossing habe ich persönlich noch nicht ausprobiert, aber es klingt ganz lustig. Hierbei handelt es sich um eine Alternative zu öffentlichen Bücherregalen, bei denen man ein bestimmtens Buch einfach „irgendwo“ liegenlässt. Dazu wird dieses spezifische Buch anfänglich auf einer Bookcrossing-Website registriert und die jeweiligen Finder können dann nachverfolgen, wo das Buch überall schon war und von wem es gelesen worden ist. Allerdings funktioniert der Spaß nur, wenn niemand das Buch behält und alle fleißig tracken.

Spenden

Vereine wie etwa Oxfam nehmen auch gerne Bücherspenden entgegen. Voraussetzung ist aber, dass die Bücher noch in einem guten Zustand sind, da diese verkauft werden sollen. Total abgerockte Exemplare, die sich niemand mehr anzufassen trauen würde, solltet ihr daher nicht abgeben, denn wenn die Sachen entsorgt werden müssen, fallen Kosten und Mühen an. Bei Kinder- und Schulbüchern kann man auch in Kindergräten, Frauenhäusern oder bei Vereinen mit Bildungsangeboten anfragen, ob sie Bedarf hätten.

Kreativ werden

Da ich nicht andere, sondern weniger Dinge haben wollte, habe ich mich in dieser Richtung zwar nicht umgesehen, aber prizipiell gibt es bei Pinterest viel Inspiration, um Büchern ein zweites Lebens als (Kunst-)Objekt zu schenken: Als Grundlage für Druckarbeiten, als Ornament, Schatztruhe, Hocker…vieles ist möglich…

Wegwerfen

Im Notfall hilft nur noch wegwerfen. Da blutet möglicherweise das Herz, aber wenn das Buch in den Swimmingpool gefallen ist und die Seiten zusammenkleben, dann schließt man vielleicht besser ab…

Ich hoffe, euch haben die Tipps etwas gebracht und vielleicht habt ihr ja sogar noch andere Ideen, die ich vergessen habe oder so noch gar nicht kannte. Fällt euch loslassen von Gegenständen leicht oder neigt ihr eher zum Horten?