Mein Foodblog wird minimalistischer

Besitz ist Ballast

Keine Sorge wegen der Überschrift, die Rezeptideen und andere Inhalte sind mir nicht ausgegangen. An dieser Stelle soll es sich um die Reduzierung von Dingen sowie um die daraus resultierende Konsequenz fürs Blog drehen.

Spätestens, als wir vor einem halben Jahr in kürzester Zeit unser Leben in Umzugskarton packen mussten, wurde mir bewusst, wie viel Zeug ich eigentlich habe. Spannenderweise passte meine Bekleidung samt Wintermänteln und Socken komplett in zwei Umzugkisten, das fand ich gar nicht mal sooo schlecht. Töpfe, Geschirr und Gläser hingegen blieben aus guten Gründen ungezählt. Ich hatte mir in den letzten zwei Jahren alle Mühe gegeben, einen Capsule Wardrobe aufzubauen (darüber werde ich in Kürze berichten) oder meine Büchersammlung auszudünnen, aber hatte den vollständigen Bereich der Kitchenware dabei vollkommen ausgeklammert.

Es ist nicht so, als hätte ich nicht realisiert, wie viel Kram sich angesammelt hatte. Nur als (Food-)Bloggerin kann man das Anhäufen von Kitchenware zum Glück so wunderbar rechtfertigen. Schließlich soll das Gekochte oder Gebackene anschließend auch ansprechend präsentiert werden. Wie oft habe ich beim Gedanken an einen spezifischen Blogpost einen neuen Teller gekauft „das Törtchen würde sich da doch bestimmt ganz toll drauf machen“ – oder auch gleich sechs, schließlich will man das Geschirr nachfolgend ja auch möglichst viel weiternutzen…und wenn dann mal Gäste kommen…. Auch jahreszeitspezifische Servietten mussten auf den Pirschzügen durch einschlägige Geschäfte immer mit. Ganz zu schweigen von Deko, obwohl ich meine Wohnung eigentlich immer schon ziemlich dezent dekoriert habe. Da machte sich dann auch der Gegensatz bemerkbar: Wenngleich im Alltag eigentlich meistens die gleichen drei Tassen und Teller zum Einsatz kommen und statt Servietten einfach Recycling-Küchenpapier bemüht wird, verwandelte sich der Haushalt so langsam in eine Requisitenkammer.

Irgendwann jedoch ging mir dann ein Licht auf. Dass dieses ganze „fürs Blog“ nur Selbstbetrug ist. Sicherlich kann ein bisschen Abwechslung nicht schaden, aber meine Leserinnen (das seid ihr, huhu ;) ) würden ganz bestimmt nicht das Interesse an den Rezepten verlieren, würde ich die gleiche Serviette in drei unterschiedlichen Beiträgen zeigen (von Papierservietten möchte ich ohnehin weg und habe auf der To-Do-Liste schon das Nähen von Stoffservietten vermerkt) oder nicht für jede Törtchenform einen eigenen Teller bereithalten – oder? Vielleicht ist der Teller dann einen Tick zu groß oder die Gabel nicht so verspielt, wie man sie gerne hätte, aber was soll’s? Mit Mut zur Lücke wird vieles einfacher. Noch dazu günstiger, immerhin blogge ich ja hobbymäßig und bekomme von niemandem Geld dafür, teures Zeug zu kaufen, das danach so viel Platz wegnimmt, dass man eigentlich am liebsten in eine Villa ziehen würde, nur um alles noch irgendwie organisiert unterbringen zu können. A propos: Auch die Tatsache, dass wir nun in einer kleineren Wohnung mit weniger Stauraum leben, hat mich in meiner Ansicht bestärkt. Ich möchte nicht, dass sich die Wohnform meinen Besitztümern anpassen muss, sprich: eigentlich reichen uns 2 Zimmer vollkommen aus, allerdings nur, wenn diese nicht von oben bis unten vollgestopft sind.

Doch wohin mit all den angehäuften Dingen? Wenn ihr das Glück habt, noch nicht so viel zu besitzen, solltet ihr genau überlegen, ob ihr das wirklich aufgeben wollt. Eines habe ich definitiv gelernt: „Besitz ist Ballast“ ist mehr als ein flacher Spruch. Der Umzug wäre wesentlich stressfreier und günstiger geworden und ich hätte mir all die Zeit des Minimierens gespart. Womit wir schon beim nächsten Punkt sind: Was, wenn schon zu viel da ist? Ich z. B. habe einiges an Flüchtlinge und wohltätige Flohmärkte gespendet oder über eine Free Your Stuff Gruppe via Facebook verschenkt, über Ebay bzw. die Kleinanzeigen verkauft, schlicht und ergreifend aufgebraucht, über die Familie verteilt und manches vieles lungert auch immer noch in den Regalen rum und wartet auf Aufmerksamkeit. 

Falls ihr euch jetzt fragt, warum ich diesen Artikel hier gepostet habe, so hat dies hauptsächlich zwei Gründe:  Wenn ich erst einmal verkündet habe, nicht mehr zu übertreiben, fühle ich mich zum einen nicht mehr vor irgendeinem ungeschriebenen „Blog-Gesetz für vielfältige Deko“ dazu verpflichtet.
Zum anderen habe ich die Hoffnung, auch ein klitzekleines bisschen zu motivieren, denn vielleicht geht es euch ja genauso: Falls ihr bloggt, kennt ihr möglicherweise dieses Horten zu Präsentationszwecken und vielleicht konnte ich in diesem Zusammenhang ja ein klein wenig Druck von euch nehmen; doch auch ohne zu Bloggen kann es z. B. der Perfektionismus sein, der dazu verleitet, für jede Situation und Eventualität das Passende bereitzuhalten. Doch Besitz allein macht niemanden perfekt. So liegt es denn bestimmt auch nicht am hübschen Kaffeeservice (das ihr nur einmal im Jahr rausholt), dass eure Freunde und die Familie sich so über die Einladung zu Kaffee und Kuchen bei euch freuen.

Wie steht ihr zum Thema Minimalismus, gerne speziell auch in Hinblick auf Geschirr, Deko und Co.? 

5 Gedanken zu „Mein Foodblog wird minimalistischer

  1. finnie73

    Ich musste vor 2 Jahren aus einem großen Haus in eine kleine Wohnung umziehen und mich leider zwangsweise von Vielem trennen. Heute bin ich glücklich damit… alles übersichtlich und ich weiß genau wo was ist. ;-)

    Antwort
  2. Grünzeug

    Ich kann deinen Ausführungen aus vollen Herzen zustimmen. Ich hatte vor Kurzem eine ähnliche Situation: Ich bin umgezogen und habe erschreckt festgestellt, wie vollgestopft meine kleine Wohnung doch mit eigentlich nicht gebrauchten Gegenständen war. Das meiste davon ist nun ebenfalls aussortiert oder wartet im Keller der neuen Wohnung darauf.

    Das Gefühl, sich von Überflüssigem zu trennen, ist ein unglaublich erleichterndes, wie ich finde. Eigentlich brauchen wir so wenig – wenn wir es uns nur einmal eingestehen würden. Aber ich bin immer wieder stolz auf mich, wenn ich den wiederholten Konsumversprechungen, die tagtäglich auf mich einprasseln, mit dem Gedanken „Nein, das brauche ich nicht. Ich habe schon genug.“ widerstehen kann. :)

    Liebe Grüße
    Jenni

    Antwort
  3. Katharina

    Das Clutter-Blog-Food-Foto-Problem habe ich (noch) nicht, da macht es mir viel Spaß mit meinem bereits bestehenden Fundus herumzuimprovisieren. Aber die Kleidung. Da habe ich, obwohl ich gar nichts mehr kaufe, soo viel von und jetzt, wo ich „Capsule Wardrobe“ nachgeschlagen habe, bin ich sehr motiviert, dort mal auszumisten. Ich meine, ich ziehe vielleicht ein Viertel (oder noch weniger ?!) der Kleidung, die sich in meinem Schrank befindet an. Montag wird aussortiert ! Danke für den Anstoß :)

    Antwort
  4. Pingback: Stoffservietten nähen | Essen. Leben. Leben lassen.

  5. Pingback: Buchvorstellung: Zero Waste Home | Essen. Leben. Leben lassen.

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