Buchvorstellung: Salad Samurai

Salad Samurai

Bei vielen Menschen fristen Salate gedanklich ein trauriges Schattendasein. Als trockene Salatgarnitur am Rande des Tellers oder bestensfalls noch als Beilagensalat – so stellt man sich das „Grünzeug“ oft vor. Auch ich muss zugeben, zwar immer mal ganz gerne einen Vorspeisensalat verdrückt zu haben, allerdings nur, um danach ein üppiges, herzhaftes Hauptgericht zu mir zu nehmen. Dieses für einen Salatteller stehen lassen? Niemals. Mit Salattellern assoziierte ich eher Abnehm-Ziele oder frustrierende Erlebnisse in Restaurants, in denen sich die vegane Auswahl auf grüne Blattsalate mit Essig-Öl-Dressing beschränkte.

Doch dann, tamdamdamdam (man stelle sich hoffnungsvoll-dramatische Musik vor, die in Filmen immer dann eingespielt wird, wenn die Rettung in Form der Held*innen naht) trat Terry Hope Romero auf den Plan, die dieses schlechte Image mit ihrem Buch Salad Samurai buchstäblich bekämpfen möchte. Und da Liebe ja bekanntlich durch den Magen geht und die Überzeugungskraft gleich mit ihr, gelingt es der bekannten amerikanischen Autorin (u. a. Mitautorin von Veganomicon) auch ganz wunderbar, die Salatkomparsen zu wahren Superstars zu machen.

Insgesamt umfasst das Buch rund 100 Rezepte auf 192 Seiten. Davon machen gut 60 komplette Salate aus, während sich die anderen Rezepte den „Basics“, also Saucen, Dressings und Toppings widmen. Mit diesen muss man dann tatsächlich auch „arbeiten“, denn die Salate setzen sich meist modular zusammen, sodass z. B. als Dressing oftmals ein Querverweis zu einem Grundrezept gegeben wird. Zusätzlich gibt es an vielen Stellen nutzliche Tipps und Variationsideen. Praktisch ist zudem, dass die meisten Rezepte glutenfrei sind und dies auch explizit gekennzeichnet ist. Auch rohvegane Salate oder dahingehende Abwandlungsmöglichkeiten werden markiert. Wie in amerikanischen Büchern üblich, wird das Tassenmaß verwendet; wenn man regelmäßig mit Kochbüchern aus Übersee arbeitet, lohnt sich durchaus die Anschaffung von Cups (ich habe 1 Cup, 1/2 Cup, 1/3 sowie 1/4 Cup), klassische Tassen oder Umrechnungstabellen tun es aber notfalls auch.

Wie man auf dem ersten Bild ja bereits erkennen kann, habe ich mir viele Rezepte markiert, wobei eigentlich ausnahmslos alles zum Nachmachen einlädt. Nicht alle, aber die meisten Rezepte sind bebildert, was für mich sehr wichtig ist, denn sonst bekomme ich oftmals nicht wirklich Lust aufs ausprobieren.

Ganz wunderbar finde ich auch die saisonale Aufteilung, wobei diese für die mitteleuropäischen Breitengerade sicherlich etwas angepasst werden muss. Teilweise geht es aber vermutlich auch um den Grad der Herzhaftigkeit, zumindest hatte ich bei den überwiegend winterlichen Rezepten, die ich ausprobiert habe, den Eindruck, dass Hülsenfrüchte in ganz abwechslungsreichen Varianten eine zentrale Stellung einnehmen.

Hier kommen nun die fotografischen Beweise, dass die Salate wirklich vollwertige Mahlzeiten darstellen und das Klischee vom langweiligen Salat ein für alle Mal vom Tisch fegen. Einmal mit dem schmökern begonnen, wollte ich das Buch gar nicht mehr aus der Hand legen und habe letztendlich vier Tage in Folge Rezepte ausprobiert (es passiert nicht oft, dass ich Rezepte aus meinen Kochbüchern nachmache, dass es so viele in so kurzer Zeit sind, kommt sonst aber wirklich nie vor).

Am ersten Tag gab es den Salat mit dem wohlklingenden Namen „Gingery Beets & Lentils with Tahini and Agave Nectar“ (S. 139). Dies war letztendlich auch der Favorit von meinem Mann, wobei ihm die Wahl nicht leicht fiel, ich konnte mich gar nicht recht entscheiden. Für mich waren alle Salate einfach zu gut.

Gingery Beets + Lentils with Tahini and Agave Nectar

Am Ostersonntag sollte es ursprünglich keinen Salat geben, denn wir waren unterwegs und wollten eigentlich Fast Food essen. Allerdings hatte ich so große Lust auf einen weiteren Salat, dass wir uns spontan umentschieden,  in die heimische Küche zurückkehrten und den „Pomegranate Quinoa Holiday Tabouli“-Salat (S. 143) aßen. Linsen hatte ich praktischerweise tags zuvor in größerer Menge vorgekocht. Da es ja ein Feiertag war, passte auch der Name perfekt.

Pomegranate Quinoa Holiday Tabouli

Wenn ein Salat schon „Monday Night Red Bean & Rice Salad“ (S. 121) heißt, muss es ihn logischerweise auch an einem Montagabend geben. Auch dieser Salat hat wieder fabelhaft geschmeckt.

Monday Night Red Bean + Rice Salad

Im Verlauf der vier Tage hat mein Mann immer mal wieder die „Ist das noch Salat“ Frage gestellt (ich musste dabei analog an „Ist das noch Punkrock“ von den Ärzten denken). Diese Irritation gipfeltete dann am 4. Tag mit den „Tempeh Taco Salad Bowls“ (S. 147), bei der mir der qualitative Unterschied zu Burritos auch nur noch recht schwer zu erklären fiel, aber hey, es waren viele Salatzutaten im Spiel und da es ja gerade darum geht, den salatigen Facettenreichtum aufzuzeigen, hat dieses Gericht definitv auch seine Berechtigung. Bei diesem Salat habe ich übrigens die schwarzen Bohnen durch Linsen ersetzt, da mir die Kochzeit bei ersteren zu heftig und das aus energetischer Sicht einfach unsinnig gewesen wäre. Geschmeckt hat es dennoch traumhaft.

Tempeh Taco Salad Bowl

Demnächst werde ich sicherlich noch viele weitere Rezepte ausprobieren und mich auch an den paar Frühstücksgerichten (die für mich tatsächlich nichts mehr mit Salat zu tun haben, aber ganz bestimmt sehr lecker sind) versuchen. Auch wenn eine Fallzahl von vier für mich als Sozialwissenschaftlerin eine eher geringe Stichprobe bedeutet, bin ich mir trotzdem ziemlich sicher, dass die anderen Salate nicht minder schmackhaft sein werden. Und so ist der logische Schluss denn auch die eindeutige Empfehlung, die rund 20 Euro sind hier wirklich gut angelegt.

2 Gedanken zu „Buchvorstellung: Salad Samurai

  1. Pingback: Vaute Couture | I Do Win Friends With Salad | Essen. Leben. Leben lassen.

  2. Pingback: Reichhaltiger Wildreissalat mit Tahin-Dressing | Essen. Leben. Leben lassen.

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