Ausmistaktion oder weniger ist mehr – Bücher

Bücherregal

Ich erinnere mich noch, als wäre es gestern gewesen: Einführungsveranstaltung Literaturwissenschaft. Die Dozentin steht vorne am Pult und und thematisiert plötzlich, dass sie bereits Bücher weggeworfen hat. Ein lautes Raunen geht durch die Reihen, entsetzte Blicke, Irritation bis Zorn. Die Tatsache, dass die Bücher weggeworfen worden sind, ist hier nur das halbe Problem, denn ebenso blutet das Herz, weil die Vorstellung, jemals ein Buch wegzugeben, einfach nur vollkommen absurd ist. Die Dozentin lächelt und sagt: „Warten Sie mal, bis Sie ein paarmal umgezogen sind – Umzugskartons mit Büchern sind schwer, da lernen Sie, sich von Büchern zu trennen, die sie nicht für absolut genial halten…“

Auch ich gehörte damals, so wie jede andere Person in diesem Raum, zu denjenigen, die ihre Stirn kritisch in Falten legten. „Mich von einem Buch trennen? Niemals!“

Dieses Jahr steht aller Voraussicht nach der dritte Umzug an. Mittlerweile verstehe ich ganz genau, was meine Dozentin damals meinte. Aber auch, wenn man gerade keine Kisten packt – Bücher, genau wie alle anderen Besitztümer, kosten Platz. Und so groß meine Bewunderung für das geschriebene Wort auch heutzutage noch ist,  nur weil etwas zu Papier gebracht wurde, muss ich es nicht per se gut finden. Auch wenn es in einem Buch steht. Punkt. Ich möchte mich wirklich nicht mit Dingen umgeben, die ich nicht hunderprozentig wertschätze oder die mir zumindest von Nutzen sind (das lästige, dicke Buch für die Uni muss vorerst vielleicht noch im Regal stehen bleiben, weil es nicht in digitaler Form vorhanden ist, ausmisten kann man es später noch – aber wenn wir regelmäßig damit arbeiten und es gut ist, ist es für uns vielleicht trotzdem etwas wert).

So habe ich meine Bücher über die Zeit von 3 Bücherregalen (Billy) auf 1,5 zusammenschrumpfen lassen. Das mag vielleicht für manche unvorstellbar sein, aber ich fühle mich damit nun viel besser, da die Bücher, die übrig geblieben sind, nun wirklich meinem Geschmack entsprechen. Der wird sich mit der Zeit ändern, alte Bücher werden aus-, andere temporär (denn ich möchte in Zukunft wieder mehr ausleihen) oder dauerhaft einziehen, aber das ist okay so.

Es gibt keinen Grund, das Regal mit verstaubten Klassikern vollzustopfen, wenn man eigentlich nur Krimis oder Vampirromane mag. Auch wenn man immer mal wieder anekdotenhaft von Leuten hört, die das machen, um zu beeindrucken, aber möchte man wirklich Freunde, die einen nur mögen, weil man etwas bestimmtes hat und anderes nicht? Eben! Das gilt selbstverständlich nicht nur für Bücher…. Natürlich ist das vorangegangene  Beispiel schon etwas „extrem“, aber vielleicht erwischen wir uns alle schon eher dabei, wenn es um dieses eine Buch geht, das wir schon dreimal angefangen und immer wieder gelangweilt zur Seite gelegt haben. Man „sollte es mal gelesen haben…“, denken wir uns, aber wer sagt das eigentlich? Manchmal habe ich das Gefühl, auf einer meiner Schultern sitzt immer noch meine Deutschlehrerin, aber die habe ich nun gleich mit verbannt ;) Wenn ich das Buch vom Stil katastrophal finde, aber mich, warum auch immer, doch für eine kurze Inhaltsangabe interessiere, bleibt immer noch der Blick in die Wikipedia.

Beim Ausmisten haben mir u.a. folgende Fragen geholfen:

Würde ich die Bücher lieben Menschen weiterempfehlen?
Würde ich sie nochmal lesen wollen?
Nutze ich die Bücher gerne und regelmäßig (zum Lernen, Nachkochen, als Ratgeber)?

Das allermeiste, was bei diesen Fragen durchgefallen ist, musste gehen.

Wohin nun mit den aussortierten Büchern?

Ebay

Wenn die Bücher noch sehr gut erhalten sind, könnt ihr sie natürlich wieder zu Geld verwandeln. Artikel einfach mit möglichst genauer Beschreibung einstellen, warten, wieder warten (auf Bezahlung), verschicken, sich über den Platz freuen. Ebay ist immer mit viel Arbeit verbunden, die Artikel müssen fotografiert werden und jedes Buch muss einzeln eingestellt werden. Natürlich könnt ihr auch ein „Buchpaket“ schnüren. Romane sind bei mir immer äußerst schlecht verkauft worden, Kochbücher oder Hochzeitsratgeber bin ich gut losgeworden. Wenn ihr noch einen bestimmten Preis erzielen wollt, einfach zum Festpreis einstellen.

Flohmarkt

Auf dem Flohmarkt ist die Konkurrenz, falls es professionelle Bücherhändler gibt, vermutlich groß, dennoch kann man es mal versuchen. Allerdings würde ich das Hauptaugenmerk eher auf Bücher legen, die ihr günstig weitergeben möchtet, denn kaum jemand ist auf dem Flohmarkt bereit, 10, 12 Euro für ein Buch auszugeben, da ist Ebay dann die bessere Alternative. Meistens.

Zu einem Ankaufdienst senden

Wenn ihr wenig Zeit und Geduld habt, könnt ihr die Bücher auch zu Momox oder Rebuy senden. Das lohnt sich allerdings wiederum nur, wenn ihr wirklich viele Sachen habt, da das Porto erst ab einem Ankaufwert von 10 Euro frei ist. Klingt nicht viel, aber teilweise bekommt man für ein Buch gerade noch 15 oder 25 ct., wenn es sich um einen eher häufigen Artikel handelt. Die Bücher werden nämlich weit unter Originalpreis verkauft und das Unternehmen hat eine gehörige Gewinnspanne.  Vieles wird auch (momentan) nicht (mehr) angekauft, man stelle sich die Pflichtlektüre eines halben Abiturjahrgangs vor (wobei angemarkerte oder schlecht erhaltene Bücher nicht angenommen werden), der die Bücher nach erfolgreicher Prüfung einschickt – so viel Nachfrage nach diesem Buch wird nie da sein und das Unternehmen würde drauf sitzen bleiben. Macht so natürlich keinen Sinn. Ich habe ein Paket gepackt, aber das ist noch in Bearbeitung und wurde aufgrund oben beschriebener Problematik auch nur voll, weil ich einen Haufen CDs dazugepackt habe. Rechnet sich finanziell nicht wirklich, spart aber Nerven und Zeit. Und das ist manchmal genauso viel Wert wie Bares.

Freunden geben

„Interessiert sich Anna nicht so für Kunstgeschichte? Studiert Paul nicht Latein auf Lehramt?“ Wenn ihr bei bestimmten Büchern gleich an bestimmte Leute denkt, die sie gebrauchen oder sich dafür interessieren könnten, dann fragt doch einfach mal nach, ob sie vielleicht das Buch gerne hätten. Ob geschenkt oder gegen eine Einladung zur selbstgemachten Lasagne, ist natürlich eure Sache :)

Öffentliche Bücherregale/Give Boxen

In Berlin sind öffentliche Bücherregale und Give Boxen leider für die Größe der Stadt verhältnismäßig rar. Aus Süddeutschland, wo ich schon oft Urlaub gemacht habe, weiß ich, dass die Dichte dort wesentlich besser ist. Das Prinzip eines öffentlichen Bücherregals funktioniert ganz einfach: Ihr könnt Bücher vorbeibringen und wenn ihr ein oder mehrere für euch spannende Exemplare seht, könnt ihr diese mitnehmen. Auch wer nichts vorbeigebracht hat, darf was mitnehmen und umgekehrt. Alles kostenlos. In Give-Boxen können neben Bücher auch alle anderen irgendwie logisch erscheinenden Dinge (Kleidung, CDs, Spielsachen…) reingestellt werden. Googelt am besten mal nach einem Standort in eurer Nähe, bei Wikipedia habe ich z.B. eine Liste öffentlicher Bücherschränke gefunden. Teilweise gibt es auch an Unis oder in Cafés solche Regale, die hier natürlich nicht aufgelistet werden.

Bookcrossing:

Bookcrossing habe ich persönlich noch nicht ausprobiert, aber es klingt ganz lustig. Hierbei handelt es sich um eine Alternative zu öffentlichen Bücherregalen, bei denen man ein bestimmtens Buch einfach „irgendwo“ liegenlässt. Dazu wird dieses spezifische Buch anfänglich auf einer Bookcrossing-Website registriert und die jeweiligen Finder können dann nachverfolgen, wo das Buch überall schon war und von wem es gelesen worden ist. Allerdings funktioniert der Spaß nur, wenn niemand das Buch behält und alle fleißig tracken.

Spenden

Vereine wie etwa Oxfam nehmen auch gerne Bücherspenden entgegen. Voraussetzung ist aber, dass die Bücher noch in einem guten Zustand sind, da diese verkauft werden sollen. Total abgerockte Exemplare, die sich niemand mehr anzufassen trauen würde, solltet ihr daher nicht abgeben, denn wenn die Sachen entsorgt werden müssen, fallen Kosten und Mühen an. Bei Kinder- und Schulbüchern kann man auch in Kindergräten, Frauenhäusern oder bei Vereinen mit Bildungsangeboten anfragen, ob sie Bedarf hätten.

Kreativ werden

Da ich nicht andere, sondern weniger Dinge haben wollte, habe ich mich in dieser Richtung zwar nicht umgesehen, aber prizipiell gibt es bei Pinterest viel Inspiration, um Büchern ein zweites Lebens als (Kunst-)Objekt zu schenken: Als Grundlage für Druckarbeiten, als Ornament, Schatztruhe, Hocker…vieles ist möglich…

Wegwerfen

Im Notfall hilft nur noch wegwerfen. Da blutet möglicherweise das Herz, aber wenn das Buch in den Swimmingpool gefallen ist und die Seiten zusammenkleben, dann schließt man vielleicht besser ab…

Ich hoffe, euch haben die Tipps etwas gebracht und vielleicht habt ihr ja sogar noch andere Ideen, die ich vergessen habe oder so noch gar nicht kannte. Fällt euch loslassen von Gegenständen leicht oder neigt ihr eher zum Horten?

12 Gedanken zu „Ausmistaktion oder weniger ist mehr – Bücher

  1. frauvonsaltkrokan

    Hallo Natalie,

    nachdem ich mich in den letzten zwei, drei Jahren von fünfhundert auf hundertachtzig Bücher runter ausgemistet habe, fühle ich mich viel leichter und befreiter. Ich kann deine Ausmistaktion also sehr gut verstehen! Früher konnte ich auch kein einziges Buch hergeben, inzwischen habe ich sogar Bücher hergegeben, von denen ich vor kurzem noch dachte, ich würde mir lieber einen Fuß abhacken, als sie herzugeben. Dabei sind es – so sehr ich Bücher auch liebe! – doch nur Gebrauchsgegenstände. Deswegen möchte ich langfristig auch auf eBooks umsteigen, weil mich nur noch die Inhalte, weniger die „Verpackungen“ interessieren.

    Viele Grüße
    Fr. von Saltkrokan

    Antwort
    1. Miss Diamond Autor

      Hallo Frau von Saltkrokan,
      das klingt ja auch nach einer ganz schön konsequenten Aktion bei dir. Wie viel Bücher es bei mir genau waren, kann ich zwar nicht sagen, so viele aber sicherlich nicht. Einiges wird bei mir nach meinem Studium auch noch wegfliegen.

      Über ein E-Book denke ich auch schon ganz hart nach, wobei ich dann vermutlich auch so eine E-Book-Bücherei raussuchen würde, da bin ich aber noch nicht ganz so informiert. Mal sehen :)

      Alles Liebe
      Natalie

      Antwort
  2. Claudi

    Hallo,
    ich hab in den letzen Jahren auch viel aussortiert, auch viele Bücher.
    Vorher wollte ich auch nie, nie ein Buch weggeben, aber wenn man sich mal mit Entrümpeln beschäftigt, merkt man schnell, dass Bücher einfach viel Platz (und Kraft beim Umzug ;)) brauchen, obwohl man sie meistens nur einmal liest. Und wenn ich bei dem Rest meiner Sachen darauf achte, dass ich sie auch wirklich benutzte und „brauche“, warum dann nicht auch bei Büchern? Mittlerweile leihe ich Bücher (Bücherei, Freunde) oder lese welche aus einem öffentlichen Bücherregal, in das (oder ein anderes) sie danach wieder zurückkommen. Bücher kaufen höchstens Mal auf dem Flohmarkt oder Büchermarkt oder sonstwie gebraucht. Manchmal bekomme ich noch welche geschenkt. Aber ich frag mich dann immer nach dem Lesen „würdest du dieses Buch nochmal lesen? würdest du es verleihen, wenn jemand einfach ein gutes Buch sucht?“ Falls ich beide Fragen mit „nein“ beantworte, wird das Buch wieder verkauft oder weitergegeben (über die Kanäle, die du auch genannt hast). Aber gerade diese beiden Fragen zeige mir eigentlich, wieviel ein Buch für mich persönlich wert ist. Jetzt hab ich nur noch Bücher, die ich mag und die ich auch weiterempfehlen kann. Und damit fühl ich mich viel besser als mit einer großen Bücherwand. Eben Qualität statt Quantität!

    lg,
    Claudi

    Antwort
    1. Miss Diamond Autor

      Hallo Claudi,

      schon spannend, wie sich die Einstellung so über die Jahre verändern kann, dann war es bei dir ja ganz ähnlich, genau wie auch die Fragen, anhand derer du gedanklich überprüfst, ob du sie behalten möchtest.
      Kaufen tue ich Bücher auch nur noch selten, wenn ich mal ein, zweimal im Jahr auf den Flohmarkt gehe und dann welche für 1, 2 Euro finde. Allerdings muss ich auch zugeben, dass ich in letzter Zeit gar nicht so sonderlich viel zum Lesen gekommen bin und daher auch aufpasse, dass der Stapel ungelesener Bücher nicht zu groß wird, dementsprechend also nicht viel Nachschub brauche. Wenn ich aber wieder mehr zum Lesen als Freizeitgestaltung (Ende des Sommersemesters habe ich voraussichtlich den Master) komme, dann werde ich wohl auch wieder eine Mitgliedskarte in der Bib holen…leihen finde ich inzwischen am besten… :)

      Alles Liebe
      Natalie

      Antwort
      1. Claudi

        Hallo Natalie,
        ja, das erstaunt mich auch manchmal, wie man sich doch ändert ;)
        Viel Glück für die Masterarbeit!
        lG
        Claudi

  3. Irene

    Oh mann, das kenne ich auch. Ich habe bei meinem letzten Umzug auch massenweise Bücher und Zeitschriften ausgemistet. Hab einiges über Momox verkauft, ein paar Sachen Freunden gegeben und die große Mehrheit habe ich über eine facebook-Gruppe verschenkt. Da waren wirklich zahlreiche Kilos weniger zu schleppen.
    Aber manche Bücher kann und will ich einfach nicht weggeben. Da habe ich mir ähnliche Fragen gestellt wie du dir. :-)

    lg Irene

    Antwort
    1. Miss Diamond Autor

      Hallo Irene,

      stimmt, an Facebook hatte ich gar nicht gedacht, dabei bin ich da auch in einer Verschenkegruppe, aber nicht nur für Bücher, sondern für alles mögliche…
      Ich sehe das schon auch wie du, es geht mir auch nicht darum, am Ende gar keien Bücher mehr zu haben/zu behalten, nur sollen es halt ausschließlich die besonderen Bücher sein, die ich behalte…

      Alles Liebe
      Natalie

      Antwort
    1. Natalie Autor

      Hey, dankeschön und gerne :) Es sind u.a. auch schon welche zum Thema Kleiderschrank und einer zu Kosmetik/Hygienebedarf geplant. Seit ganz Kurzem steht aber fest, dass wir demnächst umziehen werden, sodass ich an vielen Stellen auch erstmal schauen muss, wie ich dazu komme. Danach aber ganz bestimmt :)

      Alles Liebe
      Natalie

      Antwort
  4. Pingback: Mein Foodblog wird minimalistischer | Essen. Leben. Leben lassen.

  5. Pingback: Buchvorstellung: Zero Waste Home | Essen. Leben. Leben lassen.

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