Und welche Superkraft hast du?

Veganismus wird immer beliebter. Sicherlich, dieses Gefühl wird durch mein Leben in der nicht nur faktischen, sondern auch veganen Hauptstadt noch mal ordentlich befeuert, denn wenn ich in andere Teile Deutschlands komme, ist es noch nicht ganz so selbstverständlich, dass alle wissen, was damit nun genau gemeint ist oder ich geschweige denn auch tatsächlich ein entsprechendes Angebot vorfinde. Aber immerhin: Immer öfter wird man in überregionalen Zeitungen und Zeitschriften mit diesem Thema konfrontiert und selbst, wenn dies nicht immer auf eine einfühlsame Art und Weise geschieht, die entsprechenden Inhalte sind zumindest präsent.

Es gibt viele Gründe, warum Veganer Veganer werden: Neben ethischen Motiven und den „Trendveganern“ gibt es auch immer wieder jene, denen es insbesondere um gesundheitliche Aspekte geht. Wie die China Study nahe legt (super gut recherchiert von Jane von Achtung, Pflanzenfresser), ist dieser Zusammenhang grundsätzlich auch gegeben (auch wenn es teilweise auch Kritik an den Erkenntnissen des Autors gab, die hier und hier dargelegt und berwetet wird). Auf seine Cholesterinwerte zu achten und antibiotikaverseuchtes Fleisch zu meiden ist sicherlich niemals verkehrt. So weit, so gut.

Allerdings fällt mir auf, dass Veganismus dabei oftmals vollkommen in den Himmel gehoben wird. Go vegan und du wirst nie wieder müde. Go vegan und du nimmst problemlos ab. Go vegan und du wirst nie wieder krank. Ein Bekannter wurde sogar mal gefragt, ob er denn jetzt besser sehen könne. Schließlich müsse die Belastung durch Schlacken (sic!) am Sehnerv durch die vegane Ernährung jetzt abnehmen. Ach so ist das.

Diese Sichtweise sehe ich z.B. auch bei einem Interview mit Tim Bendzko in der aktuellen (08/14) Schrot und Korn bestätigt, das mir bei Facebook entgegenblitzte. Sicherlich ist es schön, wenn er sich durch seine vegane Ernährungsweise tatsächlich fitter und gesünder fühlt, doch wäre ich vorsichtig, das zu verallgemeinern, da dies die Latte an Erwartungen ziemlich hoch hängen würde.

Interviewausschnitt Schrot und Korn
– gefunden auf http://schrotundkorn.de/

Natürlich freue ich mich, wenn Menschen vegan werden, aber dies sollte meines Erachtens nicht an Vorstellungen geknüpft sein, die so eh nicht erfüllt werden können. Denn was passiert, wenn die Menschen merken, dass sie zwischendurch trotzdem Schlaf brauchen und auch nach dem Mittagessen lieber Ruhe statt Bäume ausreißen wollen, lästige Pfunde nicht automatisch purzeln und die Erkältung im nächsten Winter trotz regelmäßigem Konsum grüner Smoothies und Gojibeeren eintrudelt? Ich würde wahrscheinlich denken: „Ist doch eh alles doof!“ und die ganze Sache aufgeben. Und das wäre sehr, sehr schade und mehr noch: fatal für Tiere.

Ich finde es wichtig, ein differenziertes Bild zu vermitteln. Vielleicht nimmt man anfangs ja sogar erst einmal 3 Kilo zu, weil man jede Woche zwei vegane Kuchen backt und nicht genug von veganen Mac’n’Cheese oder Lasagne bekommt. Veganes Essen ist nicht gleich veganem Essen. Salat oder Burger, das macht einen Unterschied, nicht zu vergessen, dass nicht alles schwarz oder weiß ist. Eventuell ist man müder als zuvor, weil man bis spät in die Nacht durch vegane Blogs stöbert. Egal, ein Kaffee hilft (falls ihr den nicht mögt: Schwarzer Tee oder ’ne Mate gehen auch). Und ob die aggressivsten Erkältungsviren so clever sind, auf den ersten Blick zu erkennen, dass ich Veganerin bin und an mir vorbeihüpfen? Wohl eher nicht! Aber eine Gemüsebrühe, warmer Tee und eine gute Serienauswahl lassen einen auch das durchstehen.

Hervorheben möchte ich: Vegan leben lässt es sich, gut sogar (zumindest mache ich doch einen ziemlich vergnügten Eindruck, oder nicht?). Ich brauche keine 100.000 „super special benefits“, das Gefühl, ein klein wenig was zu verändern (perfekt ist doch eh niemand, aber besser kleine Schritte als stehenbleiben) ist doch eigentlich Anreiz genug. Falls nicht: Das Essen schmeckt auch nicht schlechter als „Fleischiges“, „Milchiges“ oder „Käsiges“. Und von Originial Wiener Schnitzel erwartet man ja auch nicht, dass es einem Superkräfte verleiht, ne?

Wie seht ihr das? Vielleicht ganz anders? Ich bin gespannt!

5 Gedanken zu „Und welche Superkraft hast du?

  1. Rotkäppchen

    Haha… müder sein, weil frau die veganen Blogs durchstöbert… da haste sowas von Recht :D – geht mir seit meinen 4 veganen Monaten zumindest so.
    Interessanter Text mit neuen Aspekten, danke!
    Liebe Grüsse Cornelia

    Antwort
    1. Miss Diamond Autor

      Liebe Cornelia,

      freut mich, dass du den Artikel interessant gefunden hast!
      Hehe ja, das mit dem müde sein aufgrund des ewigen Durchstöberns veganer Blogs war möglicherweise ein klein wenig autobiografisch inspiriert ;)

      Alles Liebe
      Natalie

      Antwort
  2. Pingback: Gemüsesuppe vs. Erkältung | Essen. Leben. Leben lassen.

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